Erstellt am 08. März 2016, 06:24

von Wolfgang Wallner

Aufs Herz gehört. Wolfgang Wallner über den Weg von Dominic Thiem.

Die Raunzer haben in Österreich traditionell Hochkonjunktur. Gerade, wenn’s ums „Nationalteam“ geht. Das gilt auch für den Davis-Cup. Gut ein halbes Jahr ist es her, dass Dominic Thiem nach der Heimniederlage gegen die Niederlande der „Buhmann“ war. Als Talent, das es nicht bringt, wenn es ernst wird, wurde der Niederösterreicher von manchen schon abgestempelt. Zu Unrecht! Thiem hat heuer alle Kritiker bekehrt.

Siege gegen Nadal und Ferrer, zwei Fünfsatz-Partien in zwei Tagen mit „Happy End“: So etwas schüttelt keiner einfach so aus dem Ärmel. Dominic Thiem ist auf dem Weg zum absoluten Weltklassespieler. Umso höher ist es ihm anzurechnen, dass er sich den Davis-Cup angetan hat. Innerhalb von einer Woche muss der Niederösterreicher einmal um die Welt jetten. Von Acapulco ging’s nach Portugal zum „Länderkampf“.

Und zu Beginn dieser Woche reist Thiem schon wieder zurück über den großen Teich, um in Indian Wells beim ATP-1000-Turnier anzutreten. Für die Saisonplanung wär’s wohl besser gewesen, Thiem hätte abgesagt – wie es auch manch andere Stars getan haben, die ein paar Tage Regeneration dem Einsatz für Ruhm und Ehre vorgezogen haben. Doch Thiem hat es sich nicht leicht gemacht, sondern auf sein Herz gehört. Denn der Davis-Cup ist mit seiner ganz eigenen Atmosphäre auch für einen abgebrühten Profi etwas ganz Besonderes.

Thiem hat riskiert und gewonnen. Noch mehr Selbstvertrauen, noch mehr Sympathien. Als Youngster unter den Top-Ten-Aspiranten stehen ihm alle Türen offen. Nach Jahren der Schufterei hat nun die „Erntezeit“ begonnen. Bleibt er fit, ist der Niederösterreicher praktisch nicht aufzuhalten. Da kann er es locker nehmen, wenn die Raunzer von einst zu Schulterklopfern mutieren.