Erstellt am 09. Dezember 2015, 14:14

von Thomas Jorda

Backen gegen den Trend.

Was ist Kunst? Eine, wie es scheint, leicht zu beantwortende Frage. Tanz und Malerei, Musik und Theater, Bildhauerei und Architektur und noch einiges mehr. Aber Torten?

Okay, Kunst im engen Sinn des Wortes ist es wohl nicht, was Christina Krug in ihrer Schnabulerie in Mödling aus dem Backofen holt, aber Kunsthandwerk im besten Sinn.

Vor allem ihre Hochzeitstorten sind von ausgesuchter Kreativität, ohne dabei auch nur eine Sekunde mit billigen Pointen zu punkten. Da herrscht eine schlichte, aber umso wirkungsvollere Ästhetik.
Billig sind die Torten zweifellos nicht, aber die Preise sind, wenn man eine länger anhaltende Ehe hochrechnet, durchaus zu vertreten. In der vergangenen Woche hat Christina Krug ihre neuesten Schöpfungen im Porzellanmuseum im Wiener Augarten ausgestellt.

Torten mit den klingenden Namen Vintagerie, An Sylvia (nach einem Sonett Shakespeares), Ein Sommernachtstraum, Bastien et Bastienne, Les Macarons, Chocolat, Mariandl, Marie Christine, Ondine, Imperial, Schwanenkönigin, Frühlingstraum oder Fleur de Rose werden dort gemeinsam mit ausgesuchten Exponaten der Porzellanmanufaktur gezeigt. Das sind beeindruckende visuelle Erlebnisse. Und köstlich schmecken sie auch, die Torten!

Das Porzellanmuseum ist, übrigens, ein Geheimtipp in Niederösterreich. Bei der Eröffnung der Tortenschau schwärmte die Direktorin von der Niederösterreich Card, die ihr ein gewaltiges Besucherplus beschert.
Aber das nur so nebenbei. Was beeindruckt, ist die Fähigkeit der Mödlinger Konditorin, der großen Kunst der Tafelkultur, die im Barock ihren Höhepunkt gefunden hat, neue Impulse zu geben. In den deprimierend kulturlosen Zeiten von Coffee-to-go und Fast Food, Wurstradln aus dem Papierl und gefüllter Weckerl in
Plastikhaut ist das außerordentlich wichtig.