Erstellt am 04. November 2015, 05:52

von Petrus Pilsinger

Begrenzt offen .... Abt Petrus Pilsinger OSB (Stift Seitenstetten) über Grenzen, die man mit Maß und Ziel schützen sollte.

Vor sieben Wochen schrieb ich an dieser Stelle unter dem Eindruck der 71 Todesopfer im Schlepper-Lkw. Viel ist seitdem geschehen. Die Grenzen wurden geöffnet. Zehntausende Menschen sind in unser Land gekommen bzw. durchgezogen. Unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal – Refugees Welcome!“ fand in Wien eine Großdemonstration statt, Flüchtlinge wurden unter Applaus empfangen. All das ist Ausdruck einer wunderbaren Haltung gegenüber Menschen in Not. Das ist gut so!

Mittlerweile müssen wir aber feststellen, dass der Flüchtlingsstrom zu einer Massenflucht angewachsen ist. Viele haben Angst, der Flüchtlingsstau an der Grenze könnte außer Kontrolle geraten. Es gibt Befürchtungen, die große Zahl der Flüchtlinge könnte schlimme Folgen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt mit sich bringen und die Integration könnte schwer werden. Sorgen und Ängste dieser Art, denke ich, gilt es, ernst zu nehmen. Menschen, die sie äußern, dürfen nicht leichtfertig als Rechte oder Rassisten verdächtigt werden. Allerdings sind wir auch wie kaum zuvor gefordert, Augenmaß und kühlen Kopf zu bewahren und uns nicht von geschürten Emotionen leiten zu lassen.

Mit dem Fall von Mauern und Zäunen vor 25 Jahren hat sich der Traum von einem offenen und einladenden Europa erfüllt, ein Zustand, den wir sehr zu schätzen gelernt haben.

Heute baut man wieder „sicherheitstechnische Sperren“. Grenzkontrollen zwischen den Ländern wurden vor Jahren abgeschafft, jetzt hat man sie teilweise wieder eingeführt.

Ist der Traum von der Offenheit Europas nun ausgeträumt? Errichtet man diese Grenzen und Kontrollen aus Verantwortung oder aus Verzweiflung? Mir wird bewusst, auch Offenheit hat ihre Grenzen. Wir sollten sie bewahren und schützen. Aber auch das mit Maß und Ziel.