Erstellt am 02. Februar 2016, 05:28

von Thomas Hofer

Blaublütig. Thomas Hofer, Politik-Berater, über das Dilemma der FPÖ im Bundespräsidenten-Wahlkampf.

Die Entscheidung der FPÖ in Sachen Bundespräsidentschaftskandidat war von vornherein nicht einfach. Viele freiheitliche Wählerinnen und Wähler lehnen das Amt an sich ab und sind nur schwer für diesen Urnengang zu mobilisieren. Keinen Kandidaten zu bringen konnte sich die FPÖ als die derzeit (in den Umfragen) stärkste politische Kraft des Landes aber nicht leisten. 

Was also tun? Einen Zählkandidaten zu bringen, der bei zehn Prozent stecken bleibt, beschädigt die Partei. Wer in den bundesweiten Umfragen bei über 30 Prozent liegt, kann sich keine politische Minderheitenfeststellung leisten. Den Kandidaten, der mit Abstand die besten Chancen auf den Einzug in die Stichwahl gehabt hätte – also Heinz-Christian Strache selbst – zu bringen, hatte für manchen blauen Strategen wohl Charme. Die Strategie wäre aber zu riskant gewesen. Denn wäre Strache nicht in die Top 2 gekommen, hätte er in der medialen Wahrnehmung gegen ein fideles Pensionistenkränzchen den Kürzeren gezogen.

Das droht zwar jetzt auch dem vergangene Woche zum Kandidaten gekürten Nobert Hofer, 44. Der aber kann eine Niederlage eher verschmerzen als der Parteichef. Die holprige Art der Kandidatenfindung aber lässt tief blicken. Die FPÖ sondierte bei zig Kandidaten, offenbar sogar bei einem prominenten Kolumnisten der „Kronenzeitung“. Als die von der ÖVP übergelaufene Ursula Stenzel dann schon fast als fix vermeldet wurde, regte sich in der Partei und in sozialen Netzwerken Widerstand. Sie war für eingefleischte Freiheitliche schlicht nicht blaublütig genug. Erst nach der Palastrevolte ließ sich Hofer, der schon im Dezember als wahrscheinlicher Kandidat gegolten, aber öffentlich abgesagt hatte, doch noch breitschlagen.

Für die FPÖ geht es in den kommenden Wochen nun um viel. Man muss Hofers Bekanntheitswerte pushen. Diese sind im Vergleich zu anderen Kandidaten beschämend niedrig. Und dann muss die Gratwanderung zwischen Angriffigkeit und präsidentiellem Auftreten gelingen. Um die eigenen Anhänger zu mobilisieren, braucht es Emotion. Überziehen darf es die FPÖ gerade in diesem Wahlkampf aber nicht.