Erstellt am 23. Februar 2016, 06:24

von Bernhard Schiesser

Breakball Thiem. Bernhard Schiesser über die Entwicklung des NÖ-Tennisstars.

Acht Erfolge in Serie, Turniersieg in Buenos Aires, Siege über die Tennisgrößen Rafael Nadal und David Ferrer – was Dominic Thiem in den vergangenen beiden Wochen in Südamerika zeigte, war aller Ehren wert. Dass er in der Nacht auf Sonntag gegen die Nummer 71 der Weltrangliste, Guido Pella, als Favorit verlor, ist bitter.

Es verwundert aber nicht. Dem Lichtenwörther wurde seine eigene Siegesserie zum Verhängnis. Thiems Bewegungen glichen jener einer Fliege im Oktober. Acht Partien Sandplatztennis bei Temperaturen jenseits der 30 Grad gehen an die Substanz. Und die hat der 22-Jährige noch nicht.

Dabei wirkt Thiem bei weitem austrainierter und drahtiger als noch vor ein, zwei Jahren. Er hat jetzt die Physis, um sein Spiel vom ersten bis zum letzten Punkt voll durchzuziehen. Für neun Matches binnen kurzer Zeit reicht es aber noch nicht. Dafür braucht es Trainingsjahre.

Doch die Zeit läuft für Dominic Thiem. Kein Spieler, der im Ranking vor dem Lichtenwörther steht, ist jünger. Neun von zehn Top Ten-Spielern sind älter als 28. Thiem hat also noch Jahre der Entwicklung vor sich, ehe er seinen Leistungszenit erreicht.

Ihn als Versprechen für die Zukunft zu bezeichnen, ist nur bedingt richtig. Thiem hat als Nummer 15 der Weltrangliste dieses Versprechen teilweise eingelöst. Doch für ihn geht es um mehr. Läuft alles nach Plan, sollte er binnen ein, zwei Jahren den Bock umstoßen und nach Thomas Muster und Jürgen Melzer als dritter Österreicher unter die Top Ten der Weltrangliste vorstoßen. Die Topstars Roger Federer oder Rafael Nadal werden dann vielleicht ihre Karrieren beendet haben. Mit Novak Djokovic und Andy Murray kann Thiem auf deren 30. Geburtstag anstoßen, freundlich gratulieren, milde lächeln und sich denken: Die Zeit spielt auf meiner Seite des Netzes.