Erstellt am 15. Dezember 2015, 06:08

von Thomas Jorda

Das Pferd nicht wechseln. Thomas Jorda über die Wahl des neuen Geschäftsführers der Bundestheater-Holding. Sie fiel nicht auf NÖKU-Chef Paul Gessl. Viele sagen: ein Glück!

Einen ganzen Tag lang, volle 24 Stunden hielt in der vergangenen Woche das Land den Atem an: Wird er’s? Oder wird er’s nicht?

Okay, übertreiben wir nicht. Nicht das ganze Land, aber all jene, die in Sachen Kunst mitreden, warteten gespannt auf die Entscheidung, wer nun zum neuen Geschäftsführer der Bundestheater-Holding gekürt werden sollte. Denn laut Wiener Zeitung und dem sich darauf berufenden Online-Dienst des ORF gab’s zwei ganz heiße Kandidaten. Genannt wurde – 24 Stunden vor Bekanntgabe – Christian Ladstätter, Geschäftsführer der Volksoper. Und Paul Gessl, als Geschäftsführer der Niederösterreich-Kulturwirtschaft (NÖKU) einer der mächtigsten Männer des Landes in Sachen Kunst.

Was zu nervösen Reaktionen von Entscheidungsträgern führte. Er wird doch nicht!

Er wurde es nicht (auch nicht Christian Ladstätter, sondern Christian Kircher, seit 2005 kaufmännischer Leiter des Wien Museums).

War Paul Gessl für Kunstminister Josef Ostermayer nicht gut genug? Wohl nicht. Eher schon zu schwarz. Das ist in gewissen Wiener Kreisen immer noch ein Hinderungsgrund.

Enttäuscht gab sich Gessl jedenfalls nicht. Wozu er wohl auch keinen Grund hatte, schwor er doch auf Nachfrage Stein und Bein, sich für diesen Top-Job, der aber nur schmale 200.000 Euro im Jahr bringen wird, gar nicht erst beworben zu haben.

Aufatmen also in Niederösterreich. Paul Gessl bleibt seinen Baustellen erhalten. Er muss nicht nur erfolgreiche, aber doch anspruchsvolle Festivals wie Grafenegg verwalten, sondern auch Projekte wie das Haus der Geschichte und das neue Museum in Krems entsprechend auf Schiene bringen.

Da ist noch viel zu tun. Und wie sagte angeblich schon Abraham Lincoln? Don’t swap horses in the middle of the stream. Mitten im Strom soll man die Pferde nicht wechseln!