Erstellt am 22. Dezember 2015, 01:48

von Anita Kiefer

Das Risiko kalkulieren. Anita Kiefer über den Anstieg an Privatkonkursen.

Es gibt erfreulichere Statistiken als die folgende, so viel ist sicher. Mehr als 8.891 Personen gingen 2015 bundesweit in Privatkonkurs, in Niederösterreich waren es 1.069 Fälle. Das macht ein Plus von 5,7 Prozent in Österreich, im blau-gelben Bundesland sogar von 16 Prozent. Diese Statistik veröffentlichte der Kreditschutzverband KSV 1870 vergangene Woche.

„Da sind heuer besonders viele daran gescheitert, dass sie einen Lebensstil über ihren Verhältnissen gepflegt haben“, ist man da rasch versucht zu denken. Definitiv ein Trugschluss.

Nun mögen durchaus einige derjenigen, die 2015 in Privatkonkurs gegangen und ein Schuldenregulierungsverfahren in Anspruch genommen haben, kein gutes Händchen für Finanzen bewiesen und ihren Lebensstandard auf Kreide finanziert haben. Doch: Immerhin fast ein Drittel der Menschen, die in Österreich in Privatkonkurs gegangen sind, konkret 29 Prozent, machen ehemalige Selbstständige aus.

Und die haben durchschnittlich Schulden in Höhe von 290.000 Euro. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Schuldenstand bei Privatkonkursen liegt bei rund 128.670 Euro. Die „echten“ Privatkonkurse, also jene Menschen, die nicht aus der Selbstständigkeit kommen, hatten lediglich eine Pro-Kopf-Verschuldung von 63.100 Euro.

Blickt man also ein wenig tiefer in die Privatkonkurs-Statistik wird klar: Österreich braucht in Zukunft nicht nur ein gründer- und unternehmerfreundlicheres Klima. Es braucht auch mehr Eigenverantwortung und Weitblick bei all jenen, die ein Unternehmen gründen wollen. Einen Berg an Schulden aufzunehmen, um sich selbstständig zu machen, oder ein Unternehmen aus einer prekären Situation zu gründen, sind keine gute Basis. Denn auch wenn jede Firmengründung ein Risiko ist, sollte dieses kalkulierbar bleiben.