Erstellt am 09. Juni 2016, 06:20

von Abt Maximilian Heim OCist

Der Atem des Glaubens. Abt Maximilian Heim (Stift Heiligenkreuz) über den Verlust der persönlichen Gottesbeziehung.

2017: 500 Jahre Reformation. Viele Fragen, die damals die Christenheit bewegten, werden heute überhaupt nicht mehr gestellt. Dazu gehört die Frage: „Wie werde ich vor Gott gerecht?“ Es war die Frage, die Martin Luther existenziell quälte, weil er, wie viele Menschen der damaligen Zeit, Angst hatte, von Gott ewig verworfen zu werden.

Martin Luther studierte die Bibel und entdeckte in ihr einen gnädigen Gott, dem er sein Leben anvertrauen konnte.

Heute sind Rechtfertigung, Gnade und Barmherzigkeit zu Fremdwörtern geworden, weil der Ernstfall des Glaubens verdrängt wird von einer Oberflächigkeit, die sich von den Angeboten einer aufblühenden Esoterik bedient. Gibt es einen Grund dafür?

Eine von vielen Ursachen ist der Verlust der persönlichen Gottesbeziehung. Beten heißt mit Gott reden. Martin Luther hat das einmal knapp formuliert: „Wer nicht betet, wird bald den Glauben verlieren.“

Wir brauchen wieder Orte des Gebetes, Kirchen, Gemeinschaften, Klöster, Pfarrgemeinden und Familien. Denn wer nicht betet, wird kurzatmig.

Vielleicht haben wir den Mut, das Neue Testament wieder aufzuschlagen oder das „Vater unser“ zu beten, um zu erkennen, dass Gott wirklich die Liebe ist, die auch uns hilft, die Freude des Glaubens durch die Tat der Liebe in eine hoffnungslose Welt zu tragen.