Erstellt am 12. April 2016, 07:24

von Thomas Jorda

Der Fehler war, nicht genug zu buckeln. Thomas Jorda über das Ende des Klosterneuburger Essl Museums. Kunstpolitische Überlegungen haben dabei keine große Rolle gespielt.

Das Essl Museum hat zwei Seiten. Einerseits die Sammlung, die manche gern schlechtreden, aber in weiten Bereichen exzellent und einzigartig ist. Wenig dienlich daher, dass der neue Haupteigentümer, Hans Peter Haselsteiner, die wertvollsten Exponate internationaler Kunst verkauft und die Sammlung auf den – aber nicht minder bedeutenden – österreichischen Teil reduziert.

Andererseits das von Heinz Tesar geplante Haus, Hauptwerk des Staatspreisträgers und ein – dank indirekte Nutzung von Tageslicht – weltweit einzigartiges Museum. Das soll, meint Kunstminister Josef Ostermayer, nur noch Depot sein. Ein klassischer Fall von: Wie machen wir uns international lächerlich.

Ostermayer ist das egal. Dem genügt, dass geringe Teile der Sammlung künftig im Wiener Künstlerhaus zu sehen sind. Eigentümer Hans Peter Haselsteiner, Bauunternehmer, und Mastermind Klaus Albrecht Schröder,
Direktor der Albertina, haben neue Aufgaben.

Kunstpolitische Überlegungen stecken nicht dahinter. Karlheinz Essl wird dafür bestraft, dass er seit Jahrzehnten aus eigener Kraft wichtige Kunst sammelt und sie in einem bedeutenden Haus der Öffentlichkeit zugänglich macht. Ohne vor den Mächtigen Österreichs zu buckeln. Das haben ihm die Kleingeister nicht verziehen. Jetzt nützen sie die Chance.