Erstellt am 24. November 2015, 05:08

von Thomas Jorda

Der Konkurrenzdruck. Thomas Jorda über das geplante Haus der Geschichte. Der Druck, Originales, Wertvolles und das Besondere zu zeigen, ist groß. Vor allem, wenn Wien mitmischt.

Langsam wird’s ernst. Das Haus der Geschichte in St. Pölten, ideell sehr gut begründet, geht in die harte Phase der Realisierung. Da stellt sich schon einmal die Frage nach dem, was zu sehen sein wird. Dass in Niederösterreichs Museen und Depots sechs Millionen Exponate liegen, ist nur die halbe Gage. Denn das Meiste davon sind alte Knochen und Scherben.

Die Zimelien und Rara des Landes, also die Schätze, sind fast immer in fester Hand. Das beginnt beim Corvinusbecher, der in Wiener Neustadt im Tresor liegt, und reicht bis zum Erzherzogshut, dem Prunkobjekt der Schatzkammer des Stiftes Klosterneuburg. Und da reden wir noch gar nicht von der Venus von Willendorf, der Ostarrichiurkunde und dem Staatsvertrag, die in Wien, München und Moskau gut versperrt ruhen.

Was davon und was überhaupt den Weg nach St. Pölten findet, weiß keiner. Schließlich werden die Sammlungen immer restriktiver in Sachen Fernleihe. Und dazu kommt noch, dass Wien, falls es tatsächlich ein eigenes Haus der Geschichte bekommt, natürlich auch gierig die musealen Hände ausstrecken wird.

Noch ist nicht sicher, ob es tatsächlich an den Premiumexponaten gebrechen wird. Aber man sollte rechtzeitig daran erinnern, dass auch die kreativste Gestaltung eines Museums die Qualität des Originals in keiner Weise
ersetzen kann. Denn gerade dafür werden die Museen gebraucht.

Was bei Landesausstellungen funktioniert, und durchaus gut funktioniert, nämlich den Schwerpunkt auf spannende Gestaltung zu legen, gilt nicht für das Haus der Geschichte. Da zählt die harte Währung des Originals, des Wertvollen, des Außerordentlichen. Der Konkurrenzdruck aus Wien könnte diesbezüglich sehr stark werden. Es ist notwendig, dass sich Niederösterreich rechtzeitig und ausdrücklich auf die Hinterfüße stellt.