Erstellt am 10. November 2015, 05:57

von Thomas Hofer

Der nächste Test. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die für 17. November angekündigte Bildungsreform.

Angesichts der aktuellen Lage könnte man glauben, dass sich die innenpolitische Welt nur mehr um das Thema Flüchtlinge dreht. Dem ist natürlich nicht so. Oder besser: Dem sollte nicht so sein.

Kommende Woche wird etwa die Bildungsreform der Bundesregierung präsentiert. Das ist tatsächlich eines der entscheidenden Themen schlechthin – auch, wenn es um die Integration von Flüchtlingen und ihren Familien geht. Auf der sachpolitischen Ebene geht nicht viel über dieses zentrale Politikfeld. Was also dürfen wir erwarten? Dass SPÖ und ÖVP über ihren jeweiligen Schatten springen und ideologiefrei diskutieren? Dass sich Bund und Länder nicht an machtpolitischen Ränkespielen beteiligen und zuerst an die Reduktion von Verwaltungskosten denken?

Gut, ich sehe ein: Weihnachten ist erst in sechs Wochen. Das, was am 17. November vorgestellt werden wird, ist wohl erneut der kleinste gemeinsame Nenner der oben erwähnten Verhandlungsteilnehmer. Es ist der nächste Test für die gebeutelte Koalition. In Sachen Schulautonomie wird es wohl mehr Freiheit für die einzelnen Schulleiter geben. Und bevor man mir Defätismus unterstellt: Das ist ein richtiger Schritt. Es kann aber nicht der einzige bleiben. Erst wenn es kommende Woche auch bei den aktuell parallel dahinwerkelnden Verwaltungsstrukturen zu deutlichen Effizienzsteigerungen kommt und man so finanzielle Mittel für die Arbeit in den Klassen freischaufelt, ist Applaus gerechtfertigt.

Und selbst wenn man diesen Punkt hinbekommt, ist die Bildungsdebatte nicht abgeschlossen. Das sollte auch der Regierung bewusst sein. Das Papier, das sie in wenigen Tagen vorlegt, kann nur der Auftakt zu einer größeren Reform sein. Derzeit laufen zu viele Entwicklungen aus dem Ruder: Es gibt viel zu viele Schulabbrecher. Sie sind die programmierten Langzeitarbeitslosen von morgen.

Die soziale Herkunft entscheidet hierzulande stärker als anderswo über die Aufstiegschancen von Kindern. Auch dagegen muss man sich stemmen. Und, nicht zuletzt: Der Lehrberuf ist in diesem Land ein geschmähter. Das liegt zwar auch an der oft schwer nachvollziehbaren Positionierung der Lehrergewerkschaft. Aber: Demotivierte Lehrerinnen und Lehrer ist so ziemlich das Letzte, was wir im Bildungswesen brauchen können.