Erstellt am 17. November 2015, 06:23

von Thomas Hofer

Der Terror und wir. Thomas Hofer, Politik-Berater, über den Horror, der nicht in Resignation oder Abschottung münden darf.

Nach der abscheulichen, und im Vergleich zum Jänner dieses Jahres noch weit umfassenderen Terrorwelle in Frankreich, sind grundsätzliche Fragen angebracht.

Erstens: Muss sich Europa ändern und einige seiner gesellschaftlichen Prinzipien aufgeben? Nein. Es ist zwar eine traurige Wahrheit, dass offene Gesellschaften westlichen Zuschnitts verwundbar sind. Anschläge wie jene in Paris – und davor London oder Madrid – sind trotz aller Sicherheitsvorkehrungen wohl nie auszuschließen.

Daraus aber abzuleiten, entweder in Richtung Polizeistaat mit umfassender Überwachung aller Bürger zu gehen oder gar, wie manche meinen, alle „potenziellen“ Terroristen rauszuwerfen (oder gar nicht erst reinzulassen), ist verkehrt. Abgesehen davon, dass keiner ein Kainsmal trägt: Auch autoritäre Staaten wie Russland konnten in der Vergangenheit Anschläge nicht verhindern. Und außerdem würden wir die Werte, die uns ausmachen, mit einem Schlag verlieren. Wir wären den Attentätern ein Stück näher gerückt. Und das ist wohl das, was sie wollen.

Zweitens: Müssen wir uns in Österreich weiter nur geschickt ducken, um nicht ins Fadenkreuz zu geraten? Das ist die einfache Denkart. Nicht wenige werden glauben, dass die Franzosen am Freitag die Antwort auf ihr militärisches Einschreiten in Syrien bekommen haben. Wir dagegen sind ja „neutral“ und damit „sicher“. Auch das ist ein fataler Irrtum. Attackiert wurde nicht Frankreich, sondern ganz Europa. Und das, was die Idee Europa darstellt. Diese gilt es zu bewahren, in Wien wie in Paris.

Drittens: Was braucht es jetzt? Auf einen Nenner gebracht – europäische Solidarität. So wie es falsch ist zu glauben, dass die Anschläge ein französisches Problem sind, so falsch ist es, dass der Rest Europas meint, die Flüchtlingskrise sei ein rein deutsches, schwedisches oder österreichisches Thema. Aus der tiefen Krise, in der wir uns zweifellos befinden, kommen wir am besten gemeinsam raus. Dieser aktuelle Moment des Horrors und des Schocks darf nicht in Resignation oder Abschottung münden. Die richtige Reaktion ist es, das Projekt Europa gerade jetzt wieder zu beleben.