Erstellt am 26. April 2016, 06:34

von Martin Gebhart

Die Apparate von SPÖ und ÖVP sind müde geworden. Martin Gebhart über den Wahlsonntag und die Auswirkungen auf künftige Urnengänge.

Es ist doch nur eine Bundespräsidentenwahl, war mancherorts nach dem überraschenden Ergebnis vom Sonntag zu hören. Stimmt. Und dennoch ist die politische Landschaft in Österreich von nun an eine andere.

Der Sieg mit deutlichem Abstand, den Norbert Hofer für die FPÖ erreicht hat, ist ein klares Zeichen, dass das bloße Klammern an die Macht die beiden ehemaligen Großparteien unattraktiv gemacht hat. Macht ohne Inhalt ist eine Hülle, die den Menschen nicht mehr schmeckt. Mehr als Norbert Hofer ist Irmgard Griss ein Symbol dafür. Auch wenn sie die Stichwahl knapp verpasst hat. Die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs hat ohne einen Parteiapparat Andreas Khol und Rudolf Hundstorfer mit Abstand hinter sich gelassen. Jene beiden Kandidaten, die eigentlich auf einen perfekten Wahlkampfapparat setzen könnten.

Das Gegenteil war der Fall. Je näher der Wahltag kam, desto mehr musste man erkennen, wie müde diese Apparate auf Bundesebene bereits sind. Hinter Rudolf Hundstorfer hatten sich die SPÖ und die Gewerkschaft gestellt, ohne dass das im Wahlkampf spürbar war. Im ÖVP-Generalsekretariat sah man wie das Kaninchen vor der Schlange tatenlos zu, wie mit Meinungsumfragen der eigene Kandidat Andreas Khol in die Chancenlosigkeit getrieben wurde. Mit dem Nebeneffekt, dass es sich ehemalige VP-Granden zur Aufgabe machten, diese Chancenlosigkeit lautstark öffentlich zu beklagen. Mit so viel Gegenwind ist es natürlich schwer, erfolgreich zu sein.

Jetzt zu glauben, dass dieses Szenario auf die Bundespräsidentenwahl beschränkt bleibt, ist fast schon fahrlässig. Die FPÖ hat den Nimbus, erfolgreich zu sein aber letztendlich doch zu scheitern, abgelegt. Das hängt bei der kommenden Nationalratswahl wie ein Damoklesschwert über SPÖ und ÖVP. Und auch bei der Landtagswahl in Niederösterreich im Jahr 2018 ist die Siegesstraße von der ÖVP nicht gepachtet. Dass der Hofer-Trend so stark auch auf das blau-gelbe Bundesland durchschlägt, war nicht erwartet worden.

Die Bundespräsidentenwahl wurde von den Wählern als Denkzettelwahl genutzt. Mit dem Fingerzeig, dass künftig alles möglich ist, wenn man als Regierung der Wut auf das politische Establishment genug Nahrung gibt. Wenn man vor allem den Eindruck nicht beseitigen kann, dass in Österreich nichts wirklich weitergeht.