Erstellt am 05. Januar 2016, 05:48

von Thomas Jorda

Die echten Barthaare!. Thomas Jorda über den Kauf der Kaiserhaussammlung, große Gefühle im Museum und Kritik am Wiener Haus der Geschichte von ungewohnter Seite.

Herz und Hirn, beide wollen angeregt werden. Jedes gute Museum, jede gute Ausstellung bietet nicht nur Stoff für g’scheite Gedanken, sondern auch Futter für nostalgische Gefühle, die freudig oder entsetzt schaudern lassen.

Was auch den Ankauf der Kaiserhaussammlung der Familie Plachutta rechtfertigt. Natürlich bieten viele Exponate kaum Erkenntnisgewinn, weder die vertrocknete Rose vom Sterbebett von Kaiserin Elisabeth noch der Bonjourl genannte Hausmantel von Kaiser Franz Joseph, noch dessen Barthaare. Trotzdem werden gerade die auf den ersten Blick obskuren Objekte großen Zuspruch finden. Man denke: die echten(!) Bart(!)haare(!) des Kaisers(!).

Dinge wie diese sind zwar nur ein Teil der musealen Aufgabe des Hauses der Geschichte in St. Pölten, wofür die Kaiserhaussammlung erworben wurde. Sie bringt jene Exponate ins Spiel, die auffallen und berühren. Auch wenn sie nicht unbedingt Neues erzählen.

Noch dazu, und das darf man nicht vergessen, ist der entsprechende Markt von der Familie Plachutta leergekauft worden. Viel an vergleichbaren Habsburg-Erinnerungen ist kaum noch zu erwerben. Das lässt den Wert der Sammlung natürlich steigen.

Die Planer des Wiener Hauses der Geschichte, das lange noch nicht so weit ist, wird das kaum freuen. Noch dazu, wenn natürliche Verbündete wie die Wiener Programmzeitung „Falter“ Kritik an diesem Projekt äußern. Der planende Historiker Oliver Rathkolb wurde in der jüngsten Nummer auf Platz 63 der Liste „Best of Böse 2015“ gesetzt. Mit der Begründung: „Warum der rote Hofhistoriker partout ein Nationalmuseum in ein unheizbares Marmorlabyrinth am Heldenplatz hineinquetschen will, versteht keiner.“

Ähnliches war hier an dieser Stelle bereits mehrfach zu lesen gewesen. Schön, dass es sich bis nach Wien durchgesprochen hat.