Erstellt am 31. Mai 2016, 06:34

von Thomas Hofer

Die erregte Republik. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die emotionalen Debatten rund um das Duell Blau gegen Grün.

Im abgelaufenen Bundespräsidentschaftswahlkampf war es um einiges gegangen. Nach dem Ausscheiden der Kandidaten der Koalitionsparteien spitzte sich alles auf das Duell Blau gegen Grün zu. Emotionale Debatten waren also garantiert.

Dennoch: Die Art und Weise, wie dieser Wahlkampf zum Teil entgleiste, war schon bemerkenswert. Da beflegelten sich die Kandidaten auf offener Bühne, da wurden vor allem in den sozialen Netzwerken Grauslichkeiten ausgetauscht. Es ist etwas verrutscht in dieser Republik. Und so positiv eine Politisierung der Öffentlichkeit grundsätzlich ist – die Hasstiraden, mit denen einander nun zwei anscheinend unversöhnlich gegenüber stehende Lager begegnen, die sind nicht gesund.

Vergangene Woche wurden dem neu gewählten Präsidenten Alexander Van der Bellen gleich einmal ein paar Morddrohungen präsentiert, inklusive der Veröffentlichung seiner Privatadresse. Setzt sich diese Form der „Willkommenskultur“ im Land durch, haben wir bald Verhältnisse wie in den USA oder anderen EU-Ländern.

Dort ist es Usus, dass Politikerinnen und Politiker abgeschirmt werden von der Bevölkerung. In Österreich ist das, noch, anders. Hier fahren Spitzenrepräsentanten auch einmal mit der U-Bahn oder sitzen in Restaurants und besuchen Veranstaltungen. Und das alles ungeschützt.

So verständlich das Triumphgefühl auf der einen und die Enttäuschung auf der anderen Seite sein mögen: Es ist jetzt auch an der Zeit, dass sich die Beteiligten langsam wieder einkriegen. Heinz-Christian Strache – selbst häufig im Visier übermotivierter Hassposter – hat den richtigen Schritt gesetzt, als er via Facebook zur Mäßigung aufrief. Gleich danach aber befeuerte die FPÖ wieder die Gefühlsaufwallungen, indem man das rechtmäßige Zustandekommen des Wahlergebnisses anzweifelte. Der knappe Wahlsieger Van der Bellen hielt zwar eine versöhnliche erste Rede. Gleich danach aber musste auch er in einem ARD-Interview wieder Öl ins Feuer gießen.

Allen Beteiligten sei Stéphane Hessels umgekehrter Imperativ ans Herz gelegt: Empört Euch nicht länger!