Erstellt am 25. April 2017, 00:57

von Thomas Hofer

Der Pizzamann. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die Inszenierung von Bundeskanzler Kern, die nicht gelungen ist.

Christian Kern ist ein sehr guter Kommunikator, das ist unbestritten. Er kann Dinge in angenehmem Erzählton allgemein verständlich erklären. Er schraubt die meiste Zeit über auch gar nicht ungeschickt an seinem Image des Quereinsteigers, der Dinge in der Politik ehrlich voranbringen will. Und das ist schon mehr als die meisten anderen (Langzeit-)Politiker hinbekommen.

Immer wieder aber passieren Kern auch Schnitzer. Das war bei einem seiner ersten Auftritte so, als er legitimer Weise von einer Umstellung des Steuersystems sprach, dabei aber den tollpatschigen Begriff „Maschinensteuer“ verwendete. Das war bei der Diskussion um das Freihandelsabkommen CETA so, als er um die Ausweglosigkeit seiner Situation als Kanzler wissend eine populistische Basisbefragung anstupste und so öffentlich nur verlieren konnte.

Das war jetzt so, als er sich als Pizzazusteller verkleidet wieder einmal der Diskussion aussetzte, wie inszeniert und damit „unecht“ seine Rolle als Kanzler denn sei. Um nicht missverstanden zu werden: In der Politik ist tatsächlich fast alles inszeniert – beginnend mit jeder Pressekonferenz. Die Frage ist immer nur, ob es sich um eine gelungene oder missglückte Inszenierung handelt. Die Österreich-Tour rund um Kerns „Plan A“ etwa ist grundsätzlich gut inszeniert. Der Kleine-Mann-Auftritt als Pizzamann war es nicht. Denn dabei stand nicht die Botschaft im Zentrum, sondern die Inszenierung selbst.

Und das geht in der Politik selten gut. Da muss Kern eigentlich nur bei einem seiner Vorgänger, Viktor Klima, nachfragen. Der hatte in den ersten Monaten seiner Kanzlerschaft – Klima hatte 1997 fliegend von Franz Vranitzky übernommen – sehr gute Werte. Danach aber folgten einige Auftritte, denen die gewollte Bühnentauglichkeit anzumerken war. Langsam, aber sicher bröckelten Klimas Werte. Er war nach einer gewissen Zeit zur Kunstfigur geworden, der man am Ende weder Authentizität noch Glaubwürdigkeit zumaß.

Gerade angesichts der Vielzahl an medialen Kanälen sind die Gefahren, so abzudriften, für die aktuelle Politikergeneration noch größer. Kern muss also aufpassen, dass er nicht überdreht. Dass er nicht den Spin seiner Gegner befördert, die ihn schon heute als Inszenierungskanzler bezeichnen.