Erstellt am 12. Juli 2016, 02:44

von Thomas Hofer

Fischers Abschied. Thomas Hofer, Politik-Berater, über das, was von den zwölf Jahren des Bundespräsidenten bleibt.

Eine Ära ist zu Ende. Heinz Fischer musste nach zwei Amtsperioden den Sessel des Bundespräsidenten räumen. Er verkörperte das Amt wie kaum ein Anderer. Bei Fischer hatte man den Eindruck, dass er schon als Nationalratspräsident geboren wurde, und irgendwann später den nur logischen Weg in die Hofburg fand.

Was bleibt nun von seinen zwölf Jahren? Mit Blick auf den neu entflammenden Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 vor allem eines: Fischer war selten auf den billigen politischen Punkt aus. Er konnte der öffentlichen Parade entsagen und arbeitete im Hintergrund. Während sich dieses Jahr gleich mehrere Kandidaten für das höchste Amt im Staate in hyperventilierender Amtsanmaßung übten und eine hitzige Debatte darüber führten, wann sie eine Regierung rausschmeißen oder gar nicht erst angeloben würden, war Fischer wohltuend anders. Und das nicht nur während seiner Amtszeit, sondern schon während seines ersten Wahlkampfes um die Hofburg 2004.

Damals war es wohl verlockend, gerade nach der umstrittenen Pensionsreform von Schwarz-Blau unter Wolfgang Schüssel, den Wahlkampf als Antithese zur Regierung anzulegen. Fischer tat das – zu Recht – nicht. Vielleicht können sich die beiden aktuell im Rennen befindlichen Kandidaten an dieser Zurückhaltung ein Vorbild nehmen. Unbestritten sind auch Fischers repräsentative Leistungen: Fast 200 Auslandsreisen und rund 450 empfangene Staatsgäste klingen nach Routine, waren aber weit mehr als das. Fischers Betriebsamkeit brachte gerade auch der heimischen Exportwirtschaft einiges.

Der schale Beigeschmack nach zwölf Jahren ist das schwer ramponierte Demokratiezutrauen im Land. Hier hätte Fischer stärker gegensteuern können und müssen. Die Vorsicht, sich öffentlich nicht zu weit hinauszulehnen, hielt ihn wohl auch davon ab. In dieser haltlosen Zeit, die nach Orientierung verlangt, wäre ein demokratiepolitisch offensiveres Staatsoberhaupt aber gefragt gewesen. Ein solches Engagement hätte auch die Rolle als Ruhepol nicht gefährdet. Immerhin füllte Fischer diese perfekt aus. Ob man das von seinem Nachfolger behaupten können wird, ist fraglich.