Erstellt am 23. Mai 2017, 02:10

von Thomas Hofer

Wenn’s reicht. Thomas Hofer, Politik-Berater, über den Rückzug von Mitterlehner und Glawischnig.

Nein, das ist nicht der sechzehnte Aufguss der alten Wilhelm-Molterer-Geschichte und seinem letztlich missglückten Sager, mit dem er 2008 Neuwahlen auslöste. Die These, wonach der, der diese vom Zaun bricht, automatisch von den Wählern bestraft wird, war immer Unsinn – es finden sich genauso viele Beispiele dafür wie dagegen. Letztlich entscheidet auch diesmal der Wahlkampf und mehr denn je die Performance der Spitzenkandidaten, wer abgestraft und wer belohnt wird.

Gemeint ist diesmal ein anderes „Es reicht“. Nach Reinhold Mitterlehner hat vergangene Woche mit der grünen Langzeit-Bundessprecherin Eva Glawischnig die zweite Führungsfigur einer Parlamentspartei entnervt das Handtuch geschmissen. Nun mögen Zyniker einwenden, dass man für das harte Politik-Geschäft eben mit dicker Haut und politischem Stehvermögen ausgestattet sein müsse. Und da ist was dran.

Was dran ist aber auch an einem Teil der Abrechnung, die Mitterlehner und Glawischnig lieferten. Beide machten die Medien und generell den immer härter werdenden politischen Umgangston dafür verantwortlich, dass sie letztendlich den Punkt erreicht hatten, wo sie ihre persönliche Unversehrtheit vor den Zwang zur politischen Karriere stellten. Nun soll das hier keine Medienschelte werden: Die journalistische – und übrigens auch die Berater-Landschaft – sind immer Spiegelbild dessen, was sich in der Politik zuträgt. Und angesichts der turbulenten Ereignisse der vergangenen Wochen ist da im Laufe des Wahlkampfs nicht nur keine Verbesserung, sondern sogar noch eine weitere Zuspitzung der Umgangsformen zu erwarten.

Schlimm ist nur, dass sich das auch auf die Bevölkerung überträgt. Wer sich in den asozialen Netzwerken umschaut, der wundert sich nur, dass der verbale Hass noch nicht in physische Gewalt umgeschlagen ist. Wir leben in einer Empörungs-Demokratie: Jeder darf sich jeden Tag über irgendwen entrüsten. Jede Seelenblähung wird medial überbelichtet, sodass am Ende nur die nackte Emotion bleibt. Stephane Hessel hat vor Jahren mit „Empört Euch!“ einen Bestseller geschrieben. Mittlerweile muss man auf die Bremse steigen, denn die Fahrt geht in die falsche Richtung. Den Dauer-Alarmierten möchte man zurufen: Entpört Euch!