Erstellt am 26. Januar 2016, 05:18

von Bernhard Schiesser

Die Seuchen des Sports. Bernhard Schiesser über den Wettbetrug im Tennis.

Jetzt hat also auch der Tenniszirkus seinen Wettskandal. Naja, zumindest einen kleinen, einen halben, einen aufgewärmten. Beweise und Namen lieferten BBC und Buzzfeed nämlich keine. Auffällige Wetteinsätze sind alles, was die „Aufdecker“ bislang auf den Tisch legten – eine dünne Suppe.

Zum Nachdenken brachten die lancierten Berichte die Szene aber schon. Im Tennis ist es vergleichsweise einfach zu betrügen. Es reicht ein eingeweihter Spieler, und der muss noch nicht einmal ein patschertes Hands im Sechzehner machen, wie es im Fußball schon vorgekommen sein soll. Ob ein Tennisspieler einen Ball jetzt absichtlich oder unabsichtlich ins Netz donnert, weiß er selbst und sonst keiner. Genauso, wie es aber falsch ist zu sagen, dass Sportler bestimmter Sportarten flächendeckend dopen, ist es fatal zu behaupten, dass alle Tennisspieler mit der Wettmafia packeln.

Den Tatsachen muss man dennoch ins Auge blicken. Wettbetrug ist eine gefährliche Krankheit, die den Sport infiziert hat. Viele sehen die passende Medizin darin, Wetten generell zu verbieten – ein kurzsichtiger Lösungsansatz. Dass das Geld, das Wettanbieter mittels Sponsoring in den Sport stecken, verloren ginge, wäre noch das geringste Übel eines Wettverbots. Viel schwerer wiegt, dass das Pro-blem damit nicht aus der Welt, sondern nur überdeckt wäre. Würde man legales Wetten verbieten, würden illegale Anbieter Morgenluft wittern. Und vom illegalen Anbieter zum Wettbetrug ist der Weg sicher am kürzesten.

Dopen und Wettbetrug sind ein dunkler Teil des Sports geworden. Beides gehört so gut wie möglich verfolgt und entsprechend geahndet. Beides komplett auszumerzen, wird aber kaum möglich sein. Man müsste den Sport abschaffen. Damit hätte man aber ganz sicher das Kind mit dem Bad ausgeschüttet.