Erstellt am 03. November 2015, 05:22

von Thomas Jorda

Die Stiefkinder der Musik. Thomas Jorda über eine Konzertreihe, die sich ausschließlich und – hoffentlich vorbildlich – dem musikalischen Schaffen von Frauen widmet.

Diese Woche erfahren wir – in einer im Wiener Palais Todesco angesetzten Pressekonferenz – das Programm des nächstjährigen, zehnten Grafenegg Festivals. Da wird nicht an bedeutenden Konzerten gespart werden.
Aber nicht nur dort, wo geklotzt wird, auch wo man nur kleckern kann, ist in Niederösterreich außerordentliche Musik zu erleben.

Im Schloss Hernstein, nahe Berndorf gelegen, findet am Wochenende der zweite Durchgang der Reihe „Componissima“ statt, die von der Piestinger Pianistin Franziska Schneider ins Leben gerufen wurde. Nach dem ersten Konzert im Vorjahr, bei dem unter anderem Werke von Felicitas Kukuck anlässlich ihres hundertsten Geburtstages und Kompositionen von der in Niederösterreich lebenden Silvia Sommer zu ihrem siebzigsten Geburtstag zu hören waren, steht erneut das musikalische Schaffen von Frauen im Brennpunkt.

Und zwar ausschließlich, denn, wie Franziska Schneider richtig sagt, ist das Thema Frau und Musik nach wie vor ein Stiefkind der Musikgeschichte und findet im täglichen Musikleben nicht die entsprechende Würdigung.

Recht hat sie; wie auch diesmal zu erleben sein wird. Besonders hervorgehoben werden die – bei uns kaum bekannte – italienische Komponistin Maddalena Lombardini Sirmen, deren 270. Geburtstag sich heuer jährt, und Fanny Hensel (210. Geburtstag), die völlig zu Unrecht ganz im Schatten ihres Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy stand und steht.

Im vergangenen Jahr gab’s nur ein – sofort ausverkauftes – Konzert, heuer sind es, dem großen Zuspruch Rechnung tragend, deren zwei. Das macht Hoffnung, dass die großen Frauen der Musikgeschichte, die bisher höchstens Schatten waren, endlich doch einmal im Licht einer breiten Aufmerksamkeit glänzen werden. Und damit wichtige Vorbilder des weiblichen Nachwuchses sein können.