Erstellt am 10. November 2015, 05:57

von Thomas Jorda

Die Taten fehlen. Thomas Jorda über die Festrede bei der Kulturpreisverleihung und die große Gefahr, dass unsere Schulen zu geist- und kunstlosen Biotopen verkommen.

„Kunst und Kultur kann die Angst vor dem Fremden … nicht aus der Welt schaffen, aber sie kann sie im Kunstwerk anschaubar machen … und damit ein Stück weit zähmen.“
So sprach Anna Maria Krassnigg in ihrer Festrede zur Kulturpreisverleihung. Das braucht nicht weiter kommentiert zu werden. Das kann man stehen lassen. Das stimmt.

Doch die Intendantin des Reichenauer Thalhofes und Professorin am Max-Reinhardt-Seminar holte in ihrer Analyse weiter aus. „Es rächt sich bitter in diesen Tagen“, fuhr Krassnigg fort, „dass europaweit die Geisteswissenschaften und Künste aus den Schulplänen letztlich verdrängt oder zur Unkenntlichkeit marginalisiert wurden, … dass sie … ihren Auftrag, ihren Stolz weitgehend verloren haben. Wir wissen doch alle: … Die wesentlichen Antworten auf die großen Fragen zu den aktuellen Katastrophen können nur diese an den Rand gedrängten Disziplinen suchen und … finden.“

Das ist nichts Neues. In fast allen dieser Festreden der vergangenen Jahre wurde die künstlerisch-kreative Erziehung dringend eingefordert. Doch die Realität ist anders.

Nicht Wissen und Fühlen, nicht Schaffen und Schöpfen, nicht Lernen und Forschen stehen im Mittelpunkt der neuesten Lehrpläne, schon gar nicht Kunst und Kultur, sondern das Erwerben so genannter berufsnaher Kompetenzen. Davon gibt es angeblich viele; die wichtigste Kompetenz ist die Kompetenz, Kompetenz zu erwerben (das ist kein Witz, fragen Sie Ihren Landesschulrat oder die Bundesministerin).

Gescheite Menschen warnen gescheite Menschen seit Jahren in gescheiten Reden vor der Gefahr dieser Entwicklung, vor der Gefahr, dass Schulen in geist- und kunstlose Biotope verwandelt werden – aber nichts geschieht.

Nichts gegen Worte; aber wir brauchen dringend Taten. Taten nämlich, die tatsächlich verhindern, wovor die Worte warnen!