Erstellt am 06. Oktober 2015, 06:47

von Bernhard Schiesser

Die Todgeweihten grüßen. Bernhard Schiesser über den SC Wiener Neustadt und seinen Überlebenskampf.

Und da ist es schon wieder passiert: Die Fußballer des SC Wiener Neustadt wurden totgesagt und rissen erneut die Augen auf.

In der Sky Go Ersten Liga sah es früh in der Saison danach aus, als ob die beiden Absteiger mit dem Floridsdorfer AC und dem Wiener Neustädter SC feststünden. Nach einem 0:0 bei Titelfavoriten LASK und dem 2:0-Heimsieg am Freitag gegen Austria Salzburg ist die Elf von Trainer Günter Kreissl aber wieder auf Tuchfühlung zu den Nichtabstiegsplätzen. Zum x-ten Mal sei es erwähnt: Hut ab dafür!

Seit dem Ausstieg von Mäzen Frank Stronach 2011 wehren sich die Neustädter gegen den Niedergang des SC. Sportlich hielt man sich allen Unkenrufen zum Trotz bis zum Sommer in der Tipico Bundesliga. Der Abstieg verschärfte die finanzielle Situation des Vereins. Durch den Wegfall von Fernseh- und Sponsorgelder musste das Budget von vier Millionen Euro auf unter zwei Millionen Euro zurückgestutzt werden. Damit gehört der SC Wiener Neustadt auch eine Liga tiefer zu den finanzschwächsten Klubs. Von einem neuen Stadion, das eine Liga höher wahrscheinlich gebaut worden wäre, spricht in Wiener Neustadt kaum noch jemand. Im Gegenteil, aktuell wackelt auf Betreiben der abgewählten SP sogar eine jährliche Förderung von 100.000 Euro.

Der ganze Verein hängt seit Jahren am Tropf der sportlichen Erfolge. Sollte der SC nach dieser Saison erneut absteigen, dann ist es auf Jahre vorbei mit Spitzenfußball in Wiener Neustadt. Zum Glück, ein Dorfklub weniger in der Bundesliga – werden sich vielleicht einige Fußballfans in Österreich denken. Dorfklub? Wiener Neustadt ist mit 43.000 Einwohnern die elftgrößte Stadt Österreichs. In dieser Stadt hätte ein Bundesligaverein seine Berechtigung. Das Traurige: Das sehen selbst in Wiener Neustadt viele anders.