Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:53

von Wolfgang Wallner

Ein falsches Signal. Wolfgang Wallner über die Lockerung der Legionärsgrenzen in der Ersten Liga.

Ganz Österreich im Euro-Fieber! Auch wer nicht hart gesottener Fußballfan ist, beschäftigt sich dieser Tage mit Cristiano Ronaldo, den Portugiesen, Ungarn und Island. Im EM-Trubel untergegangen ist, dass nicht nur in Paris, sondern auch in unserer kleinen Fußballwelt die Weichen gestellt worden sind. Nämlich mit der Neuregelung der Legionärsbeschränkungen in Österreichs zweithöchster Spielklasse. Ab Sommer dürfen dort – wie in der Bundesliga – sechs Legionäre eingesetzt werden. Ein falsches Signal für eine Spielklasse, die noch vor wenigen Jahren das Motto „Heute für morgen“ gepredigt hat.

Statt drei Nichtösterreichern dürfen ab der kommenden Spielzeit sechs Grenzgänger auflaufen. Damit spielen Bundesliga und Erste Liga nach einheitlichen Regeln. Was natürlich den Spielraum für die Vereine erweitert – zugleich aber die Kluft zum Unterbau weiter vergrößert.

Der Übergang von den Regionalligen in den Profibereich ist der Knackpunkt in Österreich. Und die Pleitegefahr besonders hoch, wie das Beispiel von Erstliga-Aufsteiger Austria Salzburg zeigt. Nun zu signalisieren, „wenn du aufsteigst, musst du noch mehr investieren, weil die anderen mit bis zu sechs Legionären spielen“, scheint kontraproduktiv.

Das Anreizsystem mit dem Österreicher-Topf, der Geld für Einsatzminuten heimischer Kicker ausspuckt, ist gut und schön. Wirklich kümmern wird’s nur die Kleinen. Die Topklubs der Liga werden noch mehr Geld in die Hand nehmen. Frag nach bei den Lieferingern, die als Farmteam von Red Bull Salzburg ohnehin nach ihren eigenen Regeln werken.

Sinnvoller als Lockerungen im Regulativ wären verschärfte Lizenzbestimmungen und klare Vorgaben in Sachen Infrastruktur. Doch auf dieses Signal haben wir vergeblich gewartet.