Erstellt am 09. Dezember 2015, 14:11

von Columban Luser

Eine christlich- muslimische Liebe. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat den Friedenspreis 2015 an den deutschen Schriftsteller Navid Kermani verliehen, der Islamwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaften studierte.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten geht er Fragen der Mystik, der Ästhetik und der Theodizee insbesondere im Raum des Islams nach. Kermani ist ein Autor, der mit großer Sachkenntnis in die theologischen und gesellschaftlichen Diskurse einzugreifen vermag. Bei der Übernahme des Friedenspreises hielt Kermani eine viel beachtete Rede, in der er sehr kritisch zum Islam und seinen verratenen Wurzeln Stellung nimmt, aber auch sehr besorgte Töne in Richtung Westen anschlägt.

In dieser Rede berichtet er im Zuge einer Reportage von seiner Begegnung mit P. Jacques Mourad, der eine kleine katholische Gemeinde in Syrien betreut und im Oktober dieses Jahres als Geisel vom IS verschleppt wurde.

P. Jacques gehört dem Orden von Mar Musa an, der sich der Begegnung mit dem Islam und der Liebe zu den Muslimen verschrieben hat. Kermani, der als Muslim mit Hochachtung von dieser Gemeinschaft spricht, bringt es auf den Punkt: „Das klingt verrückt, ja, aberwitzig: Christen, die sich nach ihren eigenen Worten in den Islam verliebt haben. Und doch war diese christlich-muslimische Liebe noch vor kurzem Wirklichkeit in Syrien und ist es in den Herzen vieler Syrer noch immer. Mit ihrer Hände Arbeit, ihrer Herzen Güte und ihrer Seelen Gebete schufen die Nonnen und Mönche von Mar Musa einen Ort, der mir utopisch anmutete und für sie selbst nichts Geringeres als die endzeitliche Versöhnung – sie würden nicht sagen: vorwegnahm, aber doch vorausfühlte, die kommende Versöhnung voraussetzte: Ein Steinkloster aus dem siebten Jahrhundert mitten in der überwältigenden Einsamkeit des syrischen Wüstengebirges, das von Christen aus aller Welt besucht wurde, an dem jedoch zahlreicher noch Tag für Tag Dutzende, Hunderte arabische Muslime anklopften, um ihren christlichen Geschwistern zu begegnen, um mit ihnen zu reden, zu singen, zu schweigen und auch, um in einer bilderlosen Ecke der Kirche nach ihrem eigenen, islamischen Ritus zu beten.“ Ist das der Weg in ein friedvolles Morgen …?