Erstellt am 01. März 2016, 06:19

von Anita Kiefer

Eine kluge Maßnahme. Anita Kiefer über die Reform der Lehre im Einzelhandel.

Gemeinsam haben die Sozialpartner kürzlich die reformierte Abschlussprüfung für den Einzelhandel in Österreich präsentiert. 

Mehr Praxis ist das Credo, das nun in der Lehrabschlussprüfung vorherrschen soll. Die Abschlussprüfung soll mehr auf den Umgang mit Kunden eingehen, mit denen die Lehrlinge ja tagtäglich konfrontiert sind. Bisher bestand die praktische Prüfung dabei aus der Präsentation einer Projektarbeit, künftig wird sie ein Rollenspiel in Form eines fingierten Verkaufsgespräches darstellen. Die Prüfer „spielen“ dabei die Kunden.

Künftig sollen auch Kompetenzen im Lehrberuf vermittelt werden, was den Onlinehandel betrifft, etwa was Logistik, Rückgaben und Marketing betrifft. Die Gewerkschaft DPA-gjp und die Wirtschaftskammer haben dazu auch einen gemeinsamen Ausbildungsleitfaden für die Betriebe ausgearbeitet.

Profitieren werden von dieser Reform viele Lehrlinge: Allein in Niederösterreich sind derzeit im Einzelhandel rund 2.280 Lehrlinge beschäftigt. Generell ist der Handel nach dem Gewerbe der bundesweit zweitgrößte Lehrlingsausbildner – mit aktuell rund 17.000 Lehrlingen.

Den Fokus in der Einzelhandels-Lehre auf soziale Kompetenzen zu legen, das ist klug. In der heutigen Fülle an Angebot in dieser Branche entscheiden die richtige Beratung, kompetentes und – auch bei schwierigen Kunden – freundliches Auftreten darüber, ob ein Kunde das betreffende Geschäft noch einmal betritt. Hat er schlechte Erfahrungen gemacht, wechselt er einfach zum in großer Auswahl vorhandenen Mitbewerb, der meist ähnliche Leistung mit eventuell besserem Service liefern kann.

Soziale Kompetenz und guter Service sind außerdem zwei der wenigen, aber entscheidenden Wege, um den großen Online-Versandriesen die Stirn zu bieten.