Erstellt am 14. April 2016, 07:04

von Klaus Küng

Eine Sehnsucht nach stabilen Beziehungen. Bischof Klaus Küng über „Amoris laetitia“ und die große Bedeutung der Familien.

„Amoris laetitia, über die Liebe in der Familie“ heißt treffend das neue Schreiben von Papst Franziskus. Es zeigt, dass die Zukunft der Kirche und der Gesellschaft untrennbar mit der Familie verbunden ist.

Realistisch beschäftigt es sich mit den Problemen und Herausforderungen von Ehe und Familie. Sie reichen von mangelnder Unterstützung, Armut, wirtschaftlichen Auswirkungen, einer reinen Ich-Kultur, über die Angst vor Bindungen, die Verantwortung für Kinder bis zu gegenseitiger Überforderung und schmerzhafter Trennung.

Gleichzeitig zeigt das Dokument die große Liebe in der Familie. Sie ist der Ort, von dem wir herkommen; wo wir als Geschenk empfangen wurden, Zuneigung und Liebe erfahren, Geschwisterlichkeit und Konfliktaustragung lernen. Sie ist das Fundament der Gesellschaft. Die Familie ist Teil der Schöpfungsordnung und Weg der Kirche, der Ort, an dem Gott Mensch wurde.

Es gibt eine starke Sehnsucht nach stabilen Beziehungen, nach echter Ergänzung von Mann und Frau, nach Angenommen-Sein und Verschenken. In „Amoris laetitia“ wird in der Konkretheit des menschlichen Alltags und Lebens die Kraft und Gnade des Ehesakraments neu offengelegt und gezeigt, wie wichtig es ist, den Menschen dort nahe zu sein, wo sie in ihrer Lebenssituation sind.

Die Kirchentüren – die für alle offenstehen – sollen mit der Ehezeremonie nicht geschlossen, sondern weit geöffnet bleiben.

Es braucht konkrete Maßnahmen für die Zukunft. Ein seelsorgendes Herz für alle Menschen, eine solide Ehevorbereitung und -begleitung, verbesserte Ausbildungen, eine Vertiefung von Glaubenskenntnis und -praxis sowie Rahmenbedingungen, die Ehe und Familie als Ressource und Zukunft der Gesellschaft schützen und fördern.