Erstellt am 01. Dezember 2015, 04:18

von Thomas Jorda

Er war ein großer Mensch. Kling, Glöckchen, klingeling ... Das beliebte Weinachtslied hat diesen Advent eine zusätzliche, bittere Bedeutung bekommen.

Denn wer immer im Wald4tler Hoftheater zu Besuch war, erlebte dessen Intendanten, wie er glockenschwingend durch das plaudernde Publikum eilte, um es vom Beginn einer Vorstellung und dem Ende der Pause zu verständigen. Das war gute Tradition und gehörte dazu. Harald Gugenberger hatte es sich selten nehmen lassen, selbst zu bimmeln. Jetzt hat ihm der Tod die Glocke aus der Hand genommen.

Das Waldviertel ist, entgegen so mancher böser Gerüchte, reich an Kunst und Kultur. Viel davon wird von drei Säulen getragen; das sind die Stifte, das ist das Kammermusikfestival Allegro Vivo und das ist das Wald4tler Hoftheater in Pürbach nahe Schrems.

Keiner hätte es vor dreißig Jahren als sinnvolle Geschäftsidee gesehen, im hohen Norden ein Theater mit Anspruch zu etablieren. Da musste erst ein junger Musiker aus Linz kommen, der mit seiner Frau die Vision nicht nur teilte, sondern auch verwirklichte. Harald Gugenberger und Stella Hierländer ist es gelungen, aus einem alten Bauernhaus ein liebenswertes, charmantes Theater mit aller notwendiger Ausstattung zu machen. Die meisten Gäste verlassen es nicht gleich nach der Vorstellung und kommen gerne auch früher. Der Wohlfühlfaktor im Haus ist so hoch wie die Qualität der Produktionen groß.

Im Waldviertel anzukommen, ist nicht immer einfach. Recht kritisch werden all jene beäugt, die ihre Wurzeln anderswo haben. Harald Gugenberger ist es gelungen, in den Herzen der Menschen zum Waldviertler zu
werden, und zwar ohne Anbiederei, sondern mit der glaubwürdig gelebten Qualität einer exzellenten Theaterarbeit. Er war ein großer Mensch und ein großer Theatermacher. Beides stand sich nicht im Weg.