Erstellt am 02. Februar 2016, 06:53

von Bernhard Schiesser

Fehlende Einschlafhilfe. Bernhard Schiesser über die abgesagten Skirennen vom Wochenende.

Es war ein komischer Sonntag, der den sportaffinen Couch-Potatos zugemutet wurde. Wo waren sie, jene regelmäßigen Kratzgeräusche die Marcel Hirscher & Co. verursachen, wenn sie ihre Skikanten über die Piste schleifen? So manches Mittagsschlaferl wird ohne ans Herz gewachsener Begleitmusik ganz sicher darunter gelitten haben. Amerikanische Sitcoms entspannen eben nicht ganz so gut.

Nun, jetzt ist den Skiverbandsfunktionären nicht anzulasten, dass sie nicht alles versucht hätten, die Rennen planmäßig abzuwickeln. Schon vor einer Woche in Kitzbühel wurde die Abfahrt über die Streif erst nach Nummer 30 abgebrochen. Gefährlich war es auch schon zehn Nummern davor, als sich nacheinander die Abfahrtsasse Georg Streitberger, Hannes Reichelt und Aksel Lund Svindal folgenschwer eingebaut hatten.

Auch beim Damenslalom in Marburg war erst nach Startnummer 25 Schluss. Von den letzten sechs Starterinnen wurden fünf von den tiefen Löchern in der aufgeweichten Piste förmlich gefressen und neben dem Kurs wieder ausgespuckt. Dabei war bei strömenden Regen schon vor dem Start klar, dass die Bedingungen irregulär waren.

Gefahren wurde trotzdem. Vor allem deshalb, weil Sponsoren- und Fernsehverträge erfüllt werden wollen. Sie spülen eben Geld in die Kassen – in Marburg weniger, in Kitzbühel mehr. So sind die Skifahrer nichts anderes als die Gladiatoren unserer Zeit. Sie riskieren ihre Gesundheit zum Vergnügen – oder eben als Einschlafhilfe – des (Fernseh-) Volkes. Abgelöst werden sie Ende März durch die Rennfahrer der Formel 1. Die leben und fahren aufgrund stetiger Weiterentwicklung der Fahrzeuge zwar sicherer, richtige Helden sind sie aber keine mehr. Dafür schläft es sich an einem Formel-1-Sonntag noch besser.