Erstellt am 22. Oktober 2015, 06:37

von Columban Luser

Flüchtlinge: Gefahr oder Chance?. Abt Columban Luser (Stift Göttweig) über die aktuelle Situation mit den Flüchtlingen.

Seit Wochen gibt es medial beinahe nur ein Thema, das alle Bereiche beherrscht – zumindestens eines, das ständig irgendwie präsent ist: die Sorge um die Flüchtlinge. Meine Wahrnehmung und Beobachtung geht in eine doppelte Richtung: Zum einen fällt mir auf, dass sich Angst und massiver Widerstand gegen eine soziale und religiöse Überfremdung breitmachen, besonders in den größeren Städten. Dieser Widerstand hat sich auch in den Wahlen der letzten Wochen niedergeschlagen – da und dort nimmt er auch das Gesicht von aggressivem Fremdenhass an.

Zum anderen formiert sich auf ehrenamtlicher Basis an vielen Orten eine beachtenswerte Flüchtlingshilfe – vom Wiener Hauptbahnhof bis in die kleinsten Dörfer. In einem bemerkenswerten Artikel eines mit der Flüchtlingsfrage befassten Verantwortungsträgers war sogar als Headline in seiner Stadtzeitung zu lesen: „Die große Chance.“ Weiters schreibt dieser Autor: „Ich bin zuversichtlich, dass all die Menschen, die in diesen Tagen und Monaten nach Österreich kommen, eine große Chance sind. Sie legen ein bewundernswertes Potenzial an Menschlichkeit und konkreter Nächstenliebe in unserem Land frei ... Sie bringen Ausbildungen und Kompetenzen mit, die unserem Land zugute kommen können.“

Man fragt sich: Was ist es wirklich – Gefahr oder Chance?

Ich gehe an diese Frage mit dem Faktum heran, dass ich selbst Sohn von Flüchtlingen bin und deshalb eine gewisse Affinität zu Flüchtlingen habe. Meine Eltern sind Heimatvertriebene aus Südmähren, die nach dem Krieg über Nacht ihre Heimat verlassen mussten. Damals hat es in deren Dorf geheißen: „Wer morgen noch da ist, wird erschossen!“ Wer wird da nicht fliehen?

Das jüngste Magazin des ÖAMTC „auto touring“ bringt es auf den Punkt: „Egal wie man politisch zur Flüchtlingsfrage steht – eines ist klar: Hier sind Menschen unterwegs, die Hilfe brauchen!“