Erstellt am 14. September 2015, 09:15

von Petrus Pilsinger

Flüchtlingskrise - da scheiden sich die Geister. Abt Petrus Pilsinger OSB (Stift Seitenstetten) über den Umgang mit Flüchtlingen.

Es wird wohl noch länger dauern, bis wir in Europa den Ansturm der Flüchtlinge bewältigt haben. Die Zahl der in Europa Hilfe und Zukunft Suchenden ist riesig. Die Not der Menschen ist groß. Viele Flüchtlinge haben mit dem Leben bezahlt, weil sie in ihrer Not verbrecherischen Menschen vertraut haben. Tausende sind im Mittelmeer ertrunken. Zu weit weg, um unser Herz zu berühren?

So richtig an die Nieren gegangen ist es vielen erst, als Schlepper 71 Menschen auf grausamste Weise in einem Lastwagen sterben ließen. So richtig berührt wurden viele durch die Tausenden Notleidenden in Nickelsdorf und am Westbahnhof zum Schulanfang. Aus humanitären Gründen wurden Grenzen geöffnet, die Ankommenden wurden mit Applaus empfangen. Die Krise hat offensichtlich ein Umdenken bewirkt.

Eine Woche später lese ich: In einigen Staaten hat ein Meinungsumschwung stattgefunden, was die Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge betrifft. Muss die Not so dramatisch sein, die Krise so heftig, bis endlich ein Umdenken stattfindet? Berührt uns die Not der Menschen immer erst dann, wenn sie quasi schon vor der Haustür steht und wir daran nicht mehr vorbei können, wenn wir dadurch selber in eine Krise kommen?

Krise kommt vom griechischen „krinein“ und heißt „scheiden“. Wie wir in der Flüchtlingskrise entscheiden, daran scheiden sich die Geister! Eine echte Krise!

„Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war nackt und ihr habt mich bekleidet“, so steht es im Evangelium. Für uns Christen in Europa sollte es eigentlich keine Frage sein, wie wir entscheiden.

Der so unterschiedliche Umgang mit den Flüchtlingen macht mir bewusst: Wir haben nicht nur eine Flüchtlingskrise.