Erstellt am 14. September 2015, 10:03

von Bernhard Schiesser

Frankreich ist nur eine Zwischenstation. Bernhard Schiesser über das ÖFB-Nationalteam.

"Bitte, schreib´ nicht du auch noch, dass wir praktisch schon Europameister sind",  schlug Ex-Teamspieler Toni Pfeffer am Rande des NÖ-Derbys St. Pölten gegen Wiener Neustadt die Hände über dem Kopf zusammen. Pfeffer kennt die rot-weiß-rote Fußballseele nur zu gut: Himmelhoch jauchzen, zu Tode betrübt – dazwischen gibt’s nicht viel.

Und Pfeffer hat Recht. Die Euphorie, die derzeit im Land herrscht, ist gut. Übermut wäre fatal. Es ist beruhigend, dass das Nationalteam in Marcel Koller einen Trainer hat, der sich vom momentanen Hype nicht anstecken lässt. Er wird seine Fußballer erden und dafür sorgen, dass die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit vernünftig bleibt.

Österreichs Fußball lag jahrelang im Wachkoma. Apotheker Willi Ruttensteiner verabreichte die richtige Medizin – Stichwort „Akademien“. Marcel Koller ist jener Arzt, dem die Kicker vertrauen. Ob der Patient aber wirklich geheilt ist, werden wir weniger bei der EM in Frankreich als vielmehr bei der in einem Jahr startenden Qualifikation für die WM-Endrunde in Russland sehen.