Erstellt am 10. November 2015, 05:22

von Bernhard Schiesser

Fußballer ohne Platz. Bernhard Schiesser über das traurige Ende des Mauerbacher Fußballklubs.

Vor knapp vier Jahrzehnten begann der Fußball in Niederösterreich so richtig zu boomen. Mit wachsendem sozialen Wohlstand wuchs die Lust auf Sport im Allgemeinen und dank der Cordoba-Idole Hans Krankl, Herbert Prohaska & Co. die Freude am Kick im Speziellen.

Mitte der Siebzigerjahre des vorigen Jahrtausends wollten viele Fußball spielen. Reihenweise wurden Vereine gegründet. Und weil es die Nachfrage verlangte, wurden Fußballplätze gebaut, die im Laufe der Jahre zu ansehnlichen Sportanlagen inklusive Vereinshäuser und allerhand Schnickschnack anwuchsen.

Im Tennis passierte einige Jahre später Ähnliches. Der Nimbus als Elitesport wurde abgelegt, und in Thomas Muster hatte der „Weiße Sport“ sein Idol. Und wieder wurde quer über das Land verteilt gebaut – dieses Mal Tennisplätze.

Die Nachfrage ist weder im Fußball noch im Tennis dieselbe wie vor vierzig Jahren. War der soziale Wohlstand damals noch Verbündeter des Sports, so ist er heute eher sein Feind. Die Menschen wurden bequemer und sie wurden vor allem individueller. Viele schwitzen dann, wann sie das wollen. Immer weniger ordnen sich jenem Vereinsleben unter, in dem Fußball und Tennis organisiert sind.

Angesichts dieses Hintergrunds gingen bereits einige Vereine ein, einige mehr werden vermutlich folgen. Dass in Mauerbach aber genau entgegen diesem Trend beim Fußballklub die Lichter ausgingen, ist bitter. Ein intakter Verein muss dort den Spielbetrieb einstellen, weil er keine adäquate Spielstätte mehr zur Verfügung hat. Die Renovierung des alten Platzes und Pläne, eine neue Anlage zu bauen, wurden nach jahrelangen Bemühungen des Vereins vonseiten einer – so scheint’s – wenig sportaffinen Marktgemeinde zerrieben und letztlich verhindert. Ein Armutszeugnis!