Erstellt am 03. November 2015, 06:12

von Bernhard Schiesser

Gala der Botschaften. Bernhard Schiesser über die wahre Bedeutung der Sportlerehrung bei der Gala „Nacht des Sports“.

Einmal im Jahr gehört die große Bühne des Hauptabendprogramms den Sportlern, auch ohne dass sie in schnittigem Outfit Bällen nachjagen oder sich Pisten hinunterstürzen.

Die Gala „Nacht des Sports“ hat viele Fans und vermutlich noch mehr Kritiker. Für Letztere war das Theater vor einem Jahr Wasser auf den Mühlen. Damals spielte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die beleidigte Leberwurst, weil sein Aushängeschild Marcel Hirscher gegenüber Fußballstar David Alaba das Nachsehen hatte. Im ersten Ärger drohte der mächtige Tiroler gar mit Boykott.

Ob Österreichs Sportjournalisten deshalb heuer die Skistars Marcel Hirscher und Anna Fenninger auf den ersten Platz hievten? Hoffentlich nicht. Wenngleich diese Wahl mehr mit Sympathie denn mit Wissenschaft gemein hat. Wie sonst wäre es zu erklären, dass fünf Kollegen Rapid vor die Nationalmannschaft reihten, ohne dass Grün-Weiß heuer auch nur einen Blumentopf gewonnen hätte. Kritiker meinen, dass die Sportlerwahl deshalb ein Auslaufmodell sei.

Sie ist es nicht. Neben den Topstars Hirscher, Alaba & Co. bietet die „Nacht des Sports“ nämlich noch anderen Sportlern eine wichtige Bühne. Die Behindertensportler profitieren von der Zugkraft der Topstars. Dass mit Claudia Lösch und Patrick Mayrhofer beide geehrten Versehrtensportler aus Niederösterreich kommen, ist übrigens Indiz dafür, dass die blau-gelbe Sportlandschaft in allen Nischen intakt ist. Das entscheidende Signal: Auch wer im Rollstuhl sitzt, kann Sport machen. Wer auf der Couch sitzt erst recht.

Die „Nacht des Sports“ gibt solchen Botschaften einmal im Jahr die notwendige Plattform. Wenn wir dafür ab und an einen grantigen Skipräsidenten ertragen müssen – es soll so sein.