Erstellt am 12. Januar 2016, 01:53

von Abt Maximilian Heim OCist

Gebets-Wunder. Abt Maximilian Heim OCist (Stift Heiligenkreuz) über einen überraschenden Gebets-Aufruf.

Der deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani, der am 18. Oktober 2015 beim Festakt in der Paulskirche in Frankfurt a. M. den international renommierten Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, rief als Muslim am Endeseiner Rede zum Gebet für 200 entführte syrische Christen und ihren Seelsorger mit den Worten auf: „Ich möchte Sie um etwas Ungewöhnliches bitten […] Ich möchte Sie bitten, zum Schluss meiner Rede nicht zu applaudieren, sondern für Pater Paolo und 200 entführte Christen von Qaryatein zu beten. […] Und wenn Sie nicht religiös sind, dann seien Sie doch mit Ihren Wünschen bei den Entführten […] Was sind denn Gebete anderes als Wünsche, die an Gott gerichtet sind. Ich glaube an Wünsche […] Beten Sie und wünschen Sie sich die Befreiung aller Geißeln, die Freiheit Syriens und des Iraks. Gern können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten.“

Ist dieser Aufruf nicht ein berührendes Zeichen für den Dialog der Kulturen und Religionen und zugleich ein lebendiges Zeugnis dafür, dass das Gebet niemals tötet, sondern verbindet. Ein gläubiger Muslim hat den Mut bei der Verleihung des Friedenspreises in der säkularisierten Paulskirche, einem Symbol der demokratischen Bewegung, für einen katholischen Priester und seine Gemeinde zu beten, die von islamistischen Terroristen in Syrien entführt wurden.

Nur zögerlich erhob sich die Festversammlung in der Paulskirche und erfüllte den Wunsch, still zu werden und für diese Menschen zu beten. Verschämt und irritiert reagierten die öffentlichen Medien, die es kaum fassen konnten, dass es hier einer wagte, ein Tabu zu brechen, in der Öffentlichkeit zum Gebet füreinander aufzurufen.

Haben wir es verlernt, in unserer sonst so geschwätzigen Welt dem Dialog mit Gott wieder die nötige Öffentlichkeit zu geben? Nach diesem Dialog der Barmherzigkeit hungern die Menschen unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung.

Die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa, die in diesem „Jahr der Barmherzigkeit“ von Papst Franziskus heiliggesprochen wird, sagte: „Pray! Prayer makes miracles alive, even in modern days.“ „Betet! Das Gebet bewirkt, dass Wunder geschehen. Sogar in unserer modernen Welt!“ Diese Hoffnung dürfen wir nicht aufgeben.