Erstellt am 29. Oktober 2015, 15:12

von Matthäus Nimmervoll

Gedanken gegen die Verzagtheit. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über das Vertrauen auf die Fügungen des Lebens.

Vor Jahren habe ich erfahren, dass eine mir bekannte ältere Dame sich zunächst geärgert hatte, dass sie ein Flugzeug verpasst habe, und sich Vorwürfe gemacht hatte: Wäre ich doch nur fünf Minuten früher aufgestanden …! Einige Stunden später erfuhr sie vom Absturz gerade dieses Flugzeugs. – Ein anderer war in der Früh zu spät dran … und bekam so die Massenkarambolage auf der Autobahn nur im Radio mit.

In solchen Situationen ärgert man sich zunächst über sich selbst oder über den Stau, aber im Nachhinein kommt man drauf, dass genau diese fünf oder zehn Minuten vielleicht das Leben gerettet haben.

Traurigkeit überfällt einem beim Verlust des Arbeitsplatzes. Eine Welt bricht zusammen. Auf einmal wird man arbeitslos und wollte doch den Kredit zurückzahlen. Die Zukunft schaut düster aus. Dann auf einmal gibt es wieder einen Lichtblick, wenn sich ein Helfer findet, an den man gar nicht gedacht hatte, oder sogar eine bessere Arbeit zu günstigeren Bedingungen gefunden wird.

Das gilt manchmal auch bei Beziehungen, die auseinandergehen. Anfangs bleibt ein Trümmerhaufen zurück, der mit viel Herzschmerz verbunden ist. Erst später stellt sich eine gewisse Nüchternheit, manchmal sogar Erleichterung ein, und man wird frei, um zu erkennen, dass ein anderer gleichsam auf uns gewartet hat. Freilich ist das leichter gesagt als getan und angenommen. Denn wüssten wir immer, wenn wir gerade „vom Pech verfolgt“ werden, was sich später daraus entwickelt, könnten wir uns viele Sorgen sparen. Es ist jedenfalls einen Versuch wert, dem Leben und seinen oftmals seltsamen Fügungen zu vertrauen.

Der griechische Dichter Menander (um 300 vor Christi Geburt) meint: Verzage nicht! Vielleicht ist ein Unglück bisweilen auch eine Quelle deines Glücks. – Daher meine Frage: Stimmt es, dass am Ende alles gut wird? Meine Erfahrung nach verschiedenen Schicksalsschlägen: Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.