Erstellt am 08. Februar 2016, 15:18

von Michaela Fleck-Regenfelder

Geheimsache: Zeitgenossen. Michaela Fleck über fast geheime Archive und längst fällige Feste für Niederösterreichs Zeitgenossen.

Ein bisschen merkwürdig ist das schon. Da liegen dort, wo mittags die Studierenden zur Mensa eilen und abends die Cineasten ins Kino gehen – also: genau unterhalb des Campus in der Kremser Donau-Uni – Notenblätter, Buchseiten, Skizzenbücher, Familienfotos, Korrespondenzen und Konstruktionsmodelle.

Dort, in Niederösterreichs vor sieben Jahren eröffnetem Archiv der Zeitgenossen, gibt’s zwar keine Stahltüren und Iris-Scans. Und doch kommt man sich zwischen den pechschwarzen Wänden von Adolf Krischanitz’ unterirdischem Kubus ein bisschen vor wie Auric Goldfinger in Fort Knox.

Denn: Wie groß der Schatz ist, der da unter dem Asphalt liegt, weiß außer seinen Hütern keiner so genau. Wie viel er wert ist, weiß auch keiner so genau. Und hinein darf in Niederösterreichs Archiv der Zeitgenossen auch keiner. Außer dem, der wissenschaftlich damit arbeiten will. Und vielleicht noch ein paar Journalisten, wenn wieder ein neuer Bewohner, besser: ein neuer Vorlass einzieht.

Aus konservatorischen Gründen ist das durchaus nachvollziehbar. Aus kriminaltechnischen vielleicht auch noch. Aus kulturellen schon weniger. Schließlich gäbe es gerade von Friedrich Cerha und Peter Turrini, von Wolf D. Prix und jetzt auch noch von Kurt Schwertsik gerade im Archiv ganz viel Sehenswertes, Hörenswertes, Lesenswertes, das für alle interessant wäre. Und das in kleinen, feinen, öffentlichen Ausstellungen gut zu präsentieren und ebenso gut zu würdigen wäre.

Das Fest und die zugehörige Schau für Friedrich Cerha – auch wenn deren Bilder nicht aus dem Geheimarchiv, sondern vom Atelierdachboden stammen – machen da zumindest einen Anfang. Hoffentlich müssen die anderen unter Niederösterreichs archivierten Zeitgenossen auf ihre Feste und ihre Ausstellungen nicht auch so lange warten, bis sie 90 sind …