Erstellt am 13. Juli 2016, 15:35

von Michael Proházka

Auf Augenhöhe …. Abt Michael Proházka (Stift Geras) über die Kommunikation in Zeiten der digitalen Stammtische.

„Wir müssen die Lufthoheit über die digitalen Stammtische zurückgewinnen“, so konnte man vor kurzem aus dem Mund eines österreichischen Politikers hören. Eine Formulierung, der ich mich inhaltlich gerne anschließen möchte. Aber es geht nicht nur um die oft sehr heftig und einseitig geführten Diskussionen in den sogenannten sozialen Netzen, es geht mittlerweile schon darum, wie wir die Menschen wirklich erreichen können.

Ernten wir nicht das, was wir in der letzten Zeit gesät haben? Als langjähriger Seelsorger in kleinen und überschaubaren regionalen Einheiten habe ich viele Erfahrungen gemacht, wie die Menschen hier leben, denken und handeln. Und es war für mich anfänglich als in der Hauptstadt Wien Geborener und Großgewordener nicht immer einfach, eine Welt zu verstehen, die so gänzlich verschieden war von der, die ich vorher erlebt hatte.

Was ich aber von Anfang an unbedingt vermieden habe, war Besserwisserei und eine Mentalität, die die anderen von oben herab behandelt. Wenn sich Menschen in ihren Sorgen und Ängsten, die durchaus nicht der Realität entsprechen müssen, dennoch ernst genommen wissen, dann lässt sich Einsicht und Veränderung bewirken. Was ich besonders bedenklich finde ist, dass immer wieder versucht wird, andere Menschen, mit denen man nicht einer Meinung ist, als unverständig, ja sogar als dumm und primitiv abzuqualifizieren.

Und oft glaubt man, „der Zweck heiligt die Mittel!“ – eine Fehleinschätzung ersten Ranges! So möchte ich unseren Politikern, aber auch den Seelsorgern ans Herz legen, diese direkten Kontakte immer wieder zu pflegen! Nicht nur die digitalen, sondern auch die „lokalen Stammtische“ zu besuchen! Und nicht nur dann, wenn es ein Fest zu feiern gibt, wo man naturgemäß das Sonntagsgesicht präsentiert und alles „Wonne und Waschtrog“ ist.

„Man muss dem Volk aufs Maul schauen“ – so Martin Luther – , man darf aber den Menschen „nicht nach dem Mund reden!“ – wie es heutzutage von manchen Repräsentanten des öffentlichen Lebens durchaus gepflegt wird! Die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, können sehr genau zwischen Anbiederung und echtem Interesse unterscheiden und sie lohnen es in der Regel auch!

Also liebe Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens – sowohl in der Politik, wie auch in den Medien und in der Kirche – zeigt den Menschen, dass es um ihre Anliegen geht und nicht um Quotenfang oder dergleichen! Begegnet den Menschen auf Augenhöhe! So wie es uns Papst Franziskus in seiner erfrischenden Art vorlebt!