Erstellt am 23. Mai 2017, 00:36

von Michael Proházka

Die Sonntagsmesse. Abt Michael Proházka (Stift Geras) über die Aussage eines Bochumer Pastoraltheologen über die Sonntagspflicht.

„Sonntagspflicht bei Gottesdiensten schadet nur“ – so lautete etwas verkürzt und vor allem missverständlich die Aussage des Bochumer Pastoraltheologen Matthias Sellmann in der deutschen Katholischen Nachrichtenagentur KNA. Daran stimmt mich vieles nachdenklich: Zunächst einmal, wie vorsichtig man sein muss, Pressemeldungen „für bare Münze zu nehmen“, da besagte Nachrichtenagentur in einer später korrigierten Fassung einige Verkürzungen in der Wiedergabe der Aussagen Professor Sellmanns auszuräumen beabsichtigte.

In diesem Zusammenhang frage ich mich aber: Cui bono? Wem nützen solche „griffigen“ Aussagen, wenn sie missverständlich klingen und/oder gar Ärgernis erregen! Denn die „dementsprechenden“ Antworten in manchen Foren ließen nicht lange auf sich warten!

So hat jeder Gläubige laut Kirchenrecht (CIC) eindeutig die Verpflichtung zur Erfüllung der sonntäglichen Messfeier! Und wohl mancher wird sich gefragt haben, ob ein katholischer Theologieprofessor aus eigener „Machtvollkommenheit“ dem Kirchenrecht damit widersprechen will! Wenn man in die Vergangenheit blickt, dann war der sonntägliche Messbesuch sehr stark mit der Tradition verbunden, dessen Fernbleiben zumindest gesellschaftlich geächtet wurde, sofern es nicht auch juristische Sanktionen mit sich brachte, wie Kirchengesetze im Frankenreich des ersten Jahrtausends belegen!

Nun leben wir aber in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem (zumindest) christliche Religionsausübung immer mehr als Privatsache verstanden wird, wo Begriffe wie Gesetz und Verpflichtung dem Gefühl der persönlichen Entscheidungsfreiheit zu widersprechen meinen. In anderen gesellschaftlichen Bereichen drängen wir wesentlich mehr auf Einhaltung der Vorschriften und ächten Übertretungen mit öffentlicher Empörung und Verurteilung!

Ich denke, dass es im Sinne einer gediegenen christlichen Pädagogik wichtig ist aufzuzeigen, dass christliche Gebote der freien Entscheidung weder entgegenstehen noch sie einschränken! So sagt es auch der hl. Augustinus: „Liebe und dann tu, was du willst!“ In diesem Sinne wollte Professor Sellmann wohl seine Aussagen als Pastoraltheologe verstanden wissen! Ob er damit der Sache selbst einen guten Dienst erwiesen hat, sei dennoch dahingestellt!