Erstellt am 26. August 2016, 05:55

von Matthäus Nimmervoll

Freundschaft ist Verantwortung. Abt Matthäus Nimmervoll (Stift Lilienfeld) über die Säulen einer Freundschaft, die dauerhaft sein soll.

Ein Füreinander-Dasein schafft Beziehung und stiftet Gemeinschaft. Es entsteht Freundschaft, die Tiefe erhält, wenn es nicht nur ums Vergnügen geht, sondern wenn uns das Leben herausfordert und wir gemeinsam eine Sache in Angriff nehmen. Man steht dann füreinander ein. Das nicht nur bei besonderen Anlässen, sondern auch in ganz alltäglichen Dingen. Wir sind dann einander verbunden. Und das bei jeder Gelegenheit, was immer gerade kommen mag oder auch gerade bedrückt und belastet.

Wer allerdings in erster Linie nur den eigenen Vorteil sucht, kann auf Dauer gesehen keine Freundschaft auf Dauer erleben. Denn Freunde darf man nicht ausnützen. Wenn jemand eine Beziehung als Gelegenheit sieht, von der Amtsstellung oder einem sonstigen Einfluss eines anderen sich einen Vorteil zu verschaffen versucht, darf sich nicht wundern, wenn solche Freundschaften leicht zerbrechen.

Selbst miteinander erlebte Vergnügungen sind oft von kurzer Dauer. Hobbys ändern sich. Jugendspäße verlieren in der nächsten Lebensphase oftmals ihren Reiz. Deshalb ist auch auf Sportfreunde selten dauerhaft Verlass. Hier kann man seine Enttäuschungen erleben, wenn einer von beiden einen Karrieresprung erlebt oder der andere im Berufsleben zurückbleibt oder gar arbeitslos wird.

Der bekannte libanesisch-amerikanische Dichter und Künstler Khalil Gibran (1883-1931) weist eindrücklich darauf hin: Freundschaft ist immer eine süße Verantwortung, nie eine zufällige Gelegenheit (Friendship is always a sweet responsibility, never an opportunity). So bleibt Freundschaft, wenn sie von Dauer sein soll – was wir jedem wünschen –, eine Antwort auf ein Geschenk, das nicht einfach als Zufälligkeit betrachtet werden kann. Es braucht einen verantworteten Umgang und behutsame Rücksichtnahme, wenn Freundschaft von Dauer sein soll.