Erstellt am 01. September 2016, 08:06

von Petrus Pilsinger

In den Himmel kommen. Abt Petrus Pilsinger (Stift Seitenstetten) über die Bewahrung des Glaubens.

Als Kind habe ich gelernt: In den Himmel will ich kommen, fest hab ich’s mir vorgenommen. Mag es kosten, was es will, für den Himmel ist mir nichts zu viel!

In den Himmel kommen – ist das für Sie ein Ziel? Bei einem sommerlichen Zeltfest habe ich singen gehört: Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind … Tatsächlich? In der Kirchengeschichte wurde stets bezweifelt, dass alle in den Himmel kommen: Augustinus spricht von der „verdammten Masse“ der Menschen. Die Existenz der Hölle und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis zählen zum Glaubensgut der Kirche. Sind etwa wegen fehlendem Heils-Optimismus weniger Leute in der Kirche als in den Bierzelten?

Jesus sagt zur Frage des In-den-Himmel-Kommens: „Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gehen!“ Wörtlich: „Kämpft dafür!“

Jesus selber hat um seinen Glauben gekämpft (Versuchungen in der Wüste und am Ölberg). Paulus schreibt: Ich habe den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt! Wer also den Glauben bewahren will, muss darum kämpfen! Heute wird häufig nur über Glaubensverlust geklagt. Aber – tu ich auch was für meinen Glauben? Irgendwann einmal getauft und gefirmt worden zu sein, reicht nicht.

Es braucht auch das tägliche Gebet, den regelmäßigen Gottesdienst und das unermüdliche Bemühen nach dem Gewissen zu leben! Glaube bedeutet heute bewusste Entscheidung. Diesem Entschluss zu folgen, kann zeitweise sehr mühsam, ja gelegentlich auch ein Kampf sein. Andererseits schenken ein konsequentes Leben nach den Grundsätzen Jesu und so manches Opfer, das der Glaube einem auch abverlangt, unglaublich tiefen Sinn und große Freiheit, ein Stück Himmel.

So könnten wir vielleicht in den Himmel kommen: Weil wir uns mit allen Kräften bemühen, aber nicht, weil wir so brav sind.