Erstellt am 04. April 2017, 00:52

von Alt-Abt Burkhard Ellegast

Liebe deinen Nächsten. Abt Burkhard Ellegast (Stift Melk) über die Aufforderung Jesu, die andere Wange hinzuhalten, wenn dir einer auf die rechte Wange schlägt.

In der Bergpredigt sagt Jesus Worte, mit denen wir uns schwertun: „Leiste dem, der dir etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere Wange hin, wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.“

Darf es das geben? Da bin ich doch der Dumme, Zielscheibe für Leute, die mich ausnützen wollen. Viel näher liegt der Gedanke: „Wie du mir, so ich dir. Ich lasse mir nicht auf den Kopf machen, dem werde ich es zeigen.“ Das kann sich bis zum Hass steigern. Wenn ich dem Bösen keinen Widerstand leiste, dann lasse ich doch zu, dass Böses geschieht. Man muss doch klarerweise das Böse bekämpfen.

Jesus übertreibt in seinen Formulierungen bisweilen, um etwas bewusst zu machen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, so heißt es. Das ist uns klar und damit geht man zum Alltag über. Da möchte die Formulierung wachrütteln: So einfach ist das nun nicht. Wenn Jesus vom Ärgernis redet, sagt er auch: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, reiß es aus und wirf es weg. Es ist besser, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ Jesus meint sicher nicht, dass wir eines unserer Glieder ausreißen sollen, das wäre letztlich auch gegen das fünfte Gebot. Jesus will jedoch stark bewusst machen, wie gefährlich es ist, Ärgernis zu geben, wie wichtig es ist, gegen das Böse vorzugehen.

Auf eine Wange geschlagen, die andere hinhalten, das Hemd weggenommen, den Mantel dazugegeben, zu einer Meile genötigt, zwei mitzugehen. Jesus möchte sicher wachrütteln, klar sagen, worauf es bei der Nächstenliebe wirklich ankommt, wie schnell beim Zurückschlagen ein Teufelskreis von Schlag und Gegenschlag entsteht.

Jesus möchte durch diese Worte nicht ein neues Gesetz aufstellen. Er will jedoch unsere innere Haltung ansprechen, die nicht durch Vergeltung neues Unheil heraufbeschwört, sondern Versöhnung bewirken möchte. Gelingt Versöhnung nicht, entstehen Feindschaften, die bis zum Hass gehen können. Beim Wort über die Feindesliebe sagt Jesus noch klarer, worauf es ankommt: „Gott lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Der Gedanke an Gott könnte bewirken, was wir selbst oft nicht zu schaffen vermögen.