Erstellt am 26. Juli 2016, 05:15

von Abt Maximilian Heim OCist

Selig die Barmherzigen. Abt Maximilian Heim (Stift Heiligenkreuz) über die Botschaft des 31. Weltjugendtages in der polnischen Stadt Krakau.

Unter dem Motto „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ machen sich gegenwärtig Hunderttausende von Jugendlichen auf, um in Krakau mit Papst Franziskus den 31. Weltjugendtag Ende Juli zu feiern.

Krakau ist in besonderer Weise geeignet, das Thema der Barmherzigkeit in die ganze Welt auszustrahlen. Hier wirkte der hl. Papst Johannes Paul II. vor seiner Papstwahl als Erzbischof. Und hier befindet sich auch das Grab der hl. Schwester Faustyna Kowalska, einer einfachen Ordensschwester, die die Botschaft der barmherzigen Liebe Gottes empfing, um sie an alle Menschen weiterzugeben.

Ist nicht diese weltweite Bewegung von Hunderttausenden von Jugendlichen eine deutliche Antwort auf Resignation und Angst, die gerade heute die Welt in den Würgegriff nimmt? Kriege, Terror, Verletzungen der Menschenwürde hängen damit zusammen, dass der Mensch sein Gesicht verloren hat.

Was meine ich damit? Die Antwort kann uns der jüdische Philosoph Emmanuel Lévinas geben. Er überlebte nationalsozialistischen Terror, während seine Eltern und weitere Angehörige Opfer des Holocausts geworden sind. Auf die Frage, wie konnten so viele Menschen unschuldig ermordet werden, gab Lévinas die Antwort: „Weil die Menschen vergessen haben, in das Antlitz der Mitmenschen zu schauen.“

Wir müssen das menschliche Gesicht wieder finden. Es leuchtet auf im Antlitz Jesu, der menschgewordenen Barmherzigkeit Gottes.

Jeder, der sein Gesicht nicht verlieren will, ist eingeladen, sich das Gebet der hl. Schwester Faustyna zu eigen zu machen: „Hilf mir, o Herr, […] dass meine Augen barmherzig schauen, damit ich niemals nach äußerem Anschein verdächtige und richte, sondern wahrnehme, was schön ist in den Seelen meiner Nächsten, und ihnen zu Hilfe komme […] dass mein Gehör barmherzig wird, damit ich mich den Bedürfnissen meiner Nächsten zuneige, dass meine Ohren nicht gleichgültig bleiben für Leid und Klage der Nächsten […] dass meine Zunge barmherzig wird, dass ich niemals über meine Nächsten abfällig rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe […] dass meine Hände barmherzig und voll guter Taten sind […] dass meine Füße barmherzig sind, dass sie meinen Nächsten immer zu Hilfe eilen und die eigene Mattheit und Müdigkeit beherrschen […] dass mein Herz barmherzig ist, auf dass ich alle Leiden der Nächsten empfinde.“ – Selig, die barmherzig sind, denn sie werden Erbarmen finden.