Erstellt am 18. Februar 2016, 07:14

von Michael Proházka

Gute Vorsätze. Abt Michael Proházka (Stift Geras) über das „Jahr der Barmherzigkeit“ und die Fastenzeit.

„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!“ – so lautet ein altbekanntes Sprichwort. Und ein humorvoller Mensch fügte hinzu: „Der Weg zur Traumfigur auch!“

Wie auf Knopfdruck werden wir pünktlich zu Beginn der Fastenzeit mit allen möglichen und unmöglichen Ratschlägen und Meinungen förmlich überschüttet. Und nach dem Prinzip „Darf es ein bisschen mehr sein?“ – gibt es dann und wann auch religiöse Tipps dazu. Was unterscheidet mich aber als Christ von allem „Fastenhype“ – wie er seit einigen Jahren überall boomt?

Den Weg gewiesen hat mir die Feier der ostkirchlichen „Vesper der Versöhnung“, die am Beginn der Fastenzeit steht und die ich einst als Vizerektor im Collegium Orientale in Eichstätt feiern durfte. Wie ungewohnt die Texte: Die ganze Vesper ist von einer besonderen Aufbruchsstimmung gekennzeichnet, die immer wieder um Ostern, die Mitte und das Ziel der Fastenzeit kreist. Die Texte und Melodien sind von einem speziellen österlichen Charakter geprägt – für westliche Christen eher ungewohnt! Und als Höhepunkt der Feier der Ritus des gegenseitigen Vergebens: Jeder tritt zu jedem hinzu, verneigt sich vor ihm und spricht: „Vergib mir, ich habe gesündigt!“, und die Antwort lautet: „Gott vergibt dir, vergib auch du mir und bitte den Herrn für mich!“ Dazu werden Hymnen aus der ostkirchlichen Osternacht gesungen. Ist das nicht haargenau, was Papst Franziskus mit seinem „Jahr der Barmherzigkeit“ erreichen will?

Barmherzigkeit und Vergebung, das sind die Säulen christlicher Spiritualität und auch die Säulen der Fastenzeit. Dazu bedarf es ganz und gar einer Verwandlung des Herzens, wie wir es im Gleichnis vom „Barmherzigen Vater und dem verlorenen Sohn“ geschildert bekommen.

Der Vater hat ein „weiches Herz“, was nicht bedeutet, das töricht ist, aber man spürt seine Liebe, die umarmt und vergibt, noch bevor der Sohn seinen vorbereiteten Reuespruch loswerden kann.

Es ist die Haltung der offenen Arme! Eine solche Barmherzigkeit und Liebe ist weder Dummheit noch Leichtfertigkeit, sie besitzt die Gnade der Verwandlung. Und einzig und allein darum geht es in diesen „heiligen vierzig Tagen“ und letztlich in unserem ganzen christlichen Leben!