Erstellt am 01. März 2016, 06:44

von Thomas Hofer

Herz ist Trump(f). Thomas Hofer, Politik-Berater, über den dramatischen Vertrauensverlust der Politik in der westlichen Welt.

Mit dieser Entwicklung der US-Vorwahlen hat noch vor einem halben Jahr niemand gerechnet. Alle Experten waren sich einig, dass es ein aufbrausender Polit-Clown vom Format eines Donald Trump niemals schaffen könne, die Nominierung für das republikanische Präsidentschaftsticket zu erlangen. Allenfalls, das war die größte Befürchtung in der Partei, hatte man ihm eine Rolle wie Ross Perot zugetraut. Der hatte als unabhängiger Kandidat 1992 George Bush Senior so viele Stimmen gekostet, dass es nichts mit der Wiederwahl wurde und das Weiße Haus an Bill Clinton ging.

Nun aber ist Herr Trump auf dem Weg, die Vorwahlen für sich zu entscheiden. Schafft er beim diese Woche stattfindenden Super-Tuesday in gleich zwölf Bundesstaaten ein ähnliches Votum wie zuletzt, stellt sich langsam die Frage, wer ihn noch aufhalten kann. Als halbwegs vernünftige Alternative bietet sich nur noch Senator Marco Rubio aus Florida an. Er hat eine ähnliche Geschichte wie Barack Obama und könnte den Demokraten aufgrund seiner möglichen Strahlkraft bei Latinos gefährlich werden.

Ob der Mitte-Kandidat noch Chancen hat, den unsteuerbaren Multimilliardär Trump abzufangen, ist offen. Dieser Umstand, wie übrigens auch die unerwartet zähe Vorwahl für Hillary Clinton bei den Demokraten, zeigt aber ein tiefergehendes Problem: Die Art und Weise, wie Politik in der westlichen Welt organisiert wird, verliert dramatisch an Vertrauen. Immer mehr Wähler sagen sich, dass es ohnehin egal ist, wem sie ihre Stimme geben, und sei es auch ein erratisch und megalomanisch agierender Haudrauf.

Skurrile Kandidaten gab es immer wieder. Dass sich ihr Radikalismus in einem genügend großen Segment der Wählerschaft widerspiegelt, ist das eigentlich Alarmierende. Offenbar kanalisiert Trump die Wut aufs System sehr effektiv. Nun ist er noch lange nicht US-Präsident. Was sein Charakter für die Weltpolitik bedeuten würde, kann sich aber jeder selbst ausmalen. Schon jetzt haben wir es mit multiplen Krisen zu tun: Dem Zerfall Europas etwa, oder einem (Welt-)Krieg in Syrien unter Beteiligung von potenten wie zerstrittenen Weltmächten. Mit Trump im Weißen Haus würde die Lage wohl nicht besser.