Erstellt am 28. Oktober 2015, 07:02

von Thomas Jorda

Hilflosigkeit der Kunst. Thomas Jorda über die neue Kampagne der Wachau Kultur Melk, die „Respect!“ gegenüber den Schutzsuchenden einfordert, die gerade Europa durchqueren.

Kunst ist grenzenlos. Hat sie tatsächlich keine Grenzen? Natürlich kann man auf der Bühne, auf der Leinwand, auf dem Konzertpodium die ganze Welt einfangen, alle wichtigen Themen abhandeln. Woher wir kommen, wohin wir gehen, warum wir leben, das lässt sich trefflich und tiefschürfend in Worten, Bildern und Noten fassen. Aber wehe, wenn die konkrete Welt mit ihren konkreten Problemen vor der Türe steht. Da müssen wir traurig erkennen, dass die oft zitierten Waffen des Geistes stumpf sind und die kreativen Kräfte schwach.

Die Wachau Kultur Melk mit ihren fünf Segmenten – den Sommerspielen, den Barocktagen, der Tischlerei, dem Literatur- und dem Herbstfestival – hat ein Zeichen gesetzt. Und die Kampagne „Respect!“ gestartet. Der Slogan „Sicherheit ist kein Geschenk. Sicherheit ist ein Menschenrecht“ ruft zu Demut und Respekt gegenüber dem Schicksal der Tausenden und Abertausenden Schutzsuchenden auf, die derzeit Europa und ganz konkret Österreich durchqueren. Denn, so ist zu lesen: „Niemand sucht sich aus, in welchem Land man geboren wird. Der eine hat Glück. Die andere nicht. Deshalb tut uns Demut gut. Deshalb bemühen wir uns um Respekt.“

Um diese Kampagne zu unterstützen, gibt’s kleine Buttons für alle, die entsprechende Position beziehen wollen. Bloß: Hilft das auch nur einem dieser Schutzsuchenden in seinen ganz konkreten Problemen?

Nichts liegt ferner, als die Aktion gering zu schätzen. Natürlich ist es wichtig, zu Menschlichkeit und Nächstenliebe deutlich und öffentlich zu stehen. Aber trotzdem wird die Hilflosigkeit gegenüber den kaum zu lösenden Pro-blemen dadurch um keinen Deut geschmälert.

Aber wenigstens lehrt sie uns Demut gegenüber den Möglichkeiten der Kunst. Sie sind geringer als wir sehr oft so gerne glauben.