Erstellt am 21. Juni 2016, 05:05

von Thomas Jorda

Höchste Zeit, sich die Ärmel aufzukrempeln. Thomas Jorda über die Sorgen der Menschen. Viele sind mutlos geworden. Das stellt eine akute Bedrohung der Zukunft dar. Es gilt, neue Wege zu gehen. Elend, wohin man schaut.

Vom Mord an einer englischen Abgeordneten und Massengräbern im Irak bis hin zu Flüchtlingstragödien und IS-Terror, von der Koalitionskrise bin hin zu Wirtschaftsproblemen. Nicht einmal die Wahl eines Bundespräsidenten funktioniert reibungslos. Dazu machen europaweit die Rechten Meter. Die Lage des Fußballnationalteams hingegen gehört in die Kategorie „wenn wir keine anderen Sorgen haben“.

Objektiv gesehen schaut die Sache anders aus. In der Zeit des Kalten Krieges stand die Welt mehrmals am Rande der atomaren Vernichtung; während der Ungarnkrise hatte Österreich noch viel mehr Flüchtlinge aufzunehmen und machte das anstandslos; in den Achtzigerjahren fanden hierzulande viel mehr Morde und Gewalttaten statt als heute, was wohl die Angst vor Asylanten relativiert.

Doch gegen die Gefühlslage helfen kaum Argumente. Ringsum herrschen Angst und Sorge, Verzweiflung und Verbitterung. Die Alten sehen die Arbeit vieler Generationen zerstört, die Jungen haben keine Perspektiven für ihr Leben. Da hilft es nicht, bloß gute Argumente zu haben. Die greifen einfach nicht mehr.

Und dabei ist es außerordentlich wichtig, das zu heben, was man so salopp die Stimmung nennt. Denn wer keine Zukunft sieht, kann diese auch nicht gestalten. Wer keinen Sinn mehr sieht, zum Ruder zu greifen, wird in den Stromschnellen kentern. Wir sind in Österreich, in Europa und in vielen Teilen der Welt auf dem besten Weg dorthin.

Das so genannte Abendland hat eine mehrtausendjährige schreckliche Geschichte hinter sich gebracht, voll Krieg und Völkermord, Gewalt und Hunger, Seuchen und noch viel mehr Widerwärtigkeiten. Aber aufgegeben hat sich Europa nie, immer wieder tauchte Hoffnung auf, die eine bessere Zukunft versprach und dieses Versprechen auch einlöste.

Es ist höchste Zeit dafür, sich aus der Liegeposition zu erheben und die Ärmel aufzukrempeln. Das geistige, kreative Potenzial dieses Landes, dieses Kontinents, ist überwältigend groß, man muss ihm nur Raum und Gelegenheit geben, Lösungen zu finden und Ansätze, die Mut machen und Hoffnung. Das wiederum ist eine hochpolitische Aufgabe. Und, um nur eines von unzähligen anderen Beispielen zu nennen, viel dringender als die Wahl einer Rechnungshofpräsidentin, um die dann tagelang vorher und nachher gestritten wird.