Erstellt am 12. April 2016, 06:54

von Thomas Hofer

Im Dschungelcamp. Thomas Hofer, Politik-Berater, über den Bundespräsidentenwahlkampf in den elek-tronischen Medien.

Frühere Präsidentschaftswahlkämpfe waren oft von einer gewissen Fadesse getragen, das muss man zugeben. Was derzeit allerdings einige Medien, vor allem TV-Sender, aufführen, um ihr Publikum zu belustigen, ist deutlich über jener Grenze, die die Würde des Amtes noch verträgt.

Da müssen Kandidaten vor laufender Kamera äthiopische Gerichte mit den Fingern einnehmen. Sie werden dazu aufgefordert, Witze zu erzählen. Sie müssen Ja/Nein-Taferl in die Kamera halten, auch wenn komplexe politische Fragen zu beantworten sind. Und sie müssen sich in „Bewerbungsgesprächen“ festlegen, welche „Frucht“ sie wären.

Die Kandidaten spielen dieses beschämende Spielchen mit, wehren sich nicht, weil sie Angst haben, das könnte beim Wahlpublikum nicht gut ankommen. Manche murren zwar hinter den Kulissen, berufen sich dann aber auf den Gruppendruck und lassen das seltsame Schauspiel über sich ergehen. So nehmen sie in Kauf, dass das Amt, für das sie kandidieren, vollkommen entwertet wird.

Das Land hat sich knappe zwei Wochen vor dem Wahlgang in ein politisches Dschungelcamp verwandelt, wo eigentlich nur mehr die Frage ist, was als Nächstes auf uns zukommt. Dieses Schauspiel muss ein Ende haben. Die Kandidaten sollten sich zu wehren beginnen und nicht jeden Unsinn, den sich irgendwelche halblustigen Sendungsplaner einfallen haben lassen, mitmachen. Man darf auch Nein sagen und das gegenüber den Wählerinnen und Wählern begründen.

Angesichts der zahlreichen Castingshows auch den Wahlkampf um das höchste Amt im Staat zu einem Contest verkommen zu lassen, ist jedenfalls fahrlässig. Kritiker mögen einwenden, dass man mit skurrilen und ungewöhnlichen Inszenierungen auch Ungewöhnliches über die Kandidaten erfährt. Doch das ist Unsinn.
Und es ist auch nicht die Absicht der Medienmacher. Sie wollen die Kandidaten bloßstellen, sie wollen sie vorführen und damit Quote machen. Versuchen kann man das. Es liegt aber an den einzelnen Kandidaten, sich dem zu verweigern und sich so des Amtes als würdig zu erweisen.