Erstellt am 16. Februar 2016, 06:04

von Thomas Hofer

Kasperliade. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die Kandidatur von Richard Lugner bei der Bundespräsidentenwahl.

Überraschung war es keine. Nach einer wochenlangen, durchschaubaren Inszenierung gab Richard Lugner vergangene Woche seine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten bekannt. Damit ist Österreich wieder dort, wo es bei der Nationalratswahl 2013 schon war: In einem Wahlkampf, der um eine skurrile Note „bereichert“ wird. Damals hieß der Jux-Kandidat Frank Stronach. Im Gegensatz zu Lugner hatte dieser durchaus Seriositätspotenzial. In einem selbstbeschädigenden Wahlkampf allerdings litt das hoch respektable Lebenswerk Stronachs beträchtlich.

Auch vor der unternehmerischen Leistung Lugners sollte man Respekt haben. Im Fall der politischen Figur Lugner fällt das schwer. Seit Jahrzehnten benimmt sich der Ex-Baumeister und Shoppingcenter-Betreiber wie der Hofnarr der Nation. Ob es sich um seine Rolle beim Opernball handelt oder um jene bei „Wir sind Kaiser“, Lugner gefällt sich als Kasperl.

Als solcher tritt er nun auch im Wahlkampf an. In Inseraten umgibt sich Kasperl Lugner mit einer Prinzessin (seine Frau) und allerlei bösen Gestalten – vom Krokodil bis zur Hexe –, die seine Kontrahenten darstellen sollen. Trotzdem will Lugner ernst genommen werden und beschwert sich über belustigte Journalisten-Fragen. In solchen Momenten glaubt man, es wie im Falle Stronachs mit einem nach Anerkennung lechzenden, alten Mann zu tun zu haben. Dabei geht es gar nicht um Lugner. Er wird wohl nicht an sein Ergebnis von 1998, als er bei Thomas Klestils Wiederwahl fast zehn Prozent erreichte, herankommen. Damals gab es keinen FPÖ-Kandidaten, der um Proteststimmen buhlte. Für ein paar Prozent könnte Lugner aber auch diesmal gut sein, wenn er die erste Hürde von 6.000 Unterstützungserklärungen überspringt. In einem knappen Rennen kann er Rechts-der-Mitte-Kandidaten durchaus Stimmen kosten. Wesentlicher aber ist das demokratiepolitische Signal seines Antretens: Im einsetzenden medialen Rummel wird das Rennen um die Hofburg entwertet. Es droht zumindest teilweise zur Kasperliade zu verkommen – man stelle sich TV-Duelle mit Beteiligung Lugners vor!

Ähnliches passiert zwar gerade auch in größeren und älteren Demokratien wie den USA. Hilfreich für das angeschlagene Demokratieverständnis aber ist das alles nicht.