Erstellt am 03. Mai 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Keine Polit-Umfragen mehr drei Wochen vor einer Wahl?. Wie denkt ihr darüber? Diskutiert mit und stimmt ab!

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x  |  NOEN

PRO:
Peter Hajek, Meinungsforscher, Public Opinion Strategies

Umfragen drei Wochen vor der Wahl gesetzlich zu verbieten, ist ein großer Eingriff in die Meinungsfreiheit. Die Meinungsforschung kann sehr gut damit leben, denn Medien können dann keinen Publikationsdruck mehr auf die Institute ausüben. Auch heute werden Umfragen großteils nur mehr zwei Wochen vor der Wahl veröffentlicht. Es ginge also nur um eine Woche mehr. Problem: Parteien würden nach wie vor Umfragen machen und diese medial „sickern“ lassen. Journalisten wären auf gefärbte Parteiumfragen angewiesen. Es bräuchte also neben einem Publikations- auch ein Zitierverbot. Das aber wäre glatte Zensur im Stile Metternichs. Die Meinungsforschung täte sich mit einem Verbot aber sehr leicht und hätte weniger Stress in Wahlkampfzeiten.



x  |  NOEN, zVg

KONTRA:
Günther Ogris, Sozialwissenschaftler, SORA Institut

Strategisches Wählen ist legitim und soll weiterhin ermöglicht werden. Es geht vielen weniger um eine spezielle Person, um eine spezielle Partei, sondern sie wählen, welche politische Richtung ein Land einschlagen soll. Anhand von Umfragen entscheiden sie, welche Partei sie dafür strategisch unterstützen. Und das kann eine gute Meinungsforschung auch ermöglichen. Derzeit brauchen wir aber ein neues Verständnis der Sonntagsfrage. Der Anteil der Wechselwähler wird immer größer, es gibt immer mehr Spätentschlossene und der Last-Minute-Swing wird immer stärker und Wahlkämpfe konzentrieren sich auf die letzten Tage. Man darf sich nicht wundern, wenn sich in den letzten Tagen noch mehrere Prozente verschieben.