Erstellt am 17. November 2015, 06:08

von Thomas Jorda

Keine zärtliche Scheidung. Thomas Jorda über die Raimundspiele Gutenstein. Der Bürgermeister stellte der Intendantin die Koffer vor die Tür. Ob er eine Bessere findet?

Es ist nicht verbürgt, was Isabella Gregor, die scheidende Intendantin der Raimundspiele Gutenstein ihrem Bürgermeister zum Abschied ins Ohr geflüstert hat. War’s „Brüderlein fein, Brüderlein fein, zärtlich muss geschieden sein“?

Oder eher „So leb’ denn wohl, du stilles Haus! Ich zieh’ betrübt von dir hinaus“? Ist auch egal. Fest steht, dass Gutensteins Bürgermeister Michael Kreuzer mit Gregor nicht mehr will. Weil die Festspiele der Gemeinde zu teuer kämen und in den Jahren 2013 und 2014 ca. 70.000 Miese angehäuft hätten.

Das sieht Gregor natürlich anders. Und pikanterweise auch Adi Reuscher, der kaufmännische Leiter der Festspiele, der sein Amt mit zurückgelegt hat. Er verweist darauf, dass es heuer bereits ein operatives Plus gegeben und er in den vergangenen Jahren gut 120.000 Euro an Sponsorengeldern aufgetrieben hätte.

Für Kreuzer, dessen Rathaus pikanterweise am Adi-Reuscher-Platz 100 liegt, ist das zu wenig. Er beharrt darauf, die Kosten für die Infrastruktur (Aufstellen und Lagern des Festzeltes) mit einzurechnen. Und ist nicht damit einverstanden, dass Isabella Gregor bei strittigen künstlerischen Fragen das letzte Wort behält. Das gehört zwar zu ihren Jobs, aber bitte.

Wer jetzt glaubt, dass in Gutenstein die Situation verwirrend ist, der liegt richtig. Denn nun muss Kreuzer, der inzwischen die Leitung der Raimundspiele übernommen hat, einen Intendanten finden, der Gewinn bringt und nicht allzu störrisch ist. Dazu verlangt das Land eine finanziell saubere Lösung. Man sei, heißt es, nicht bereit, die gesamte finanzielle Last zu tragen. Wenn Gutenstein Raimund will, muss es schon tief in die Tasche greifen.

Falls die Geschichte kippt, es wär’ ewig schad’ um die von Gregor wunderbar aufgepäppelten Raimundspiele. Doch wie sagte der Dichter einmal? „Scheint die Sonne noch so schön, einmal muss sie untergeh’n …“